Aktien
Trotz der Auswirkungen des Nahostkonflikts sind die Rahmenbedingungen für Aktien weiterhin günstig, was auf deutliche Aufwärtskorrekturen von Gewinnprognosen und einen robusten Fertigungszyklus zurückzuführen ist. Die Nachhaltigkeit des globalen Gewinn- und Makrozyklus ist ein Zeichen für die tiefgreifenden Auswirkungen des technologischen Wandels, den wir derzeit erleben, und der damit einhergehenden Investitionswelle.
In fast allen Märkten mit Ausnahme von Japan sind die bisherigen Kursgewinne bei Aktien seit Jahresbeginn nahezu ausschließlich auf das EPS-Wachstum zurückzuführen. Da die Renditen an die Gewinne gekoppelt waren, haben sich die Bewertungen abgeschwächt, und wir gehen nicht davon aus, dass sie einen Gegenwind darstellen werden.
Mit Blick auf die Zukunft gehen wir davon aus, dass die Marktentwicklung von den Gewinnerwartungen abhängen wird, die wir für globale Aktien in den kommenden 12 Monaten im niedrigen bis mittleren zweistelligen Bereich sehen, wobei ein gewisser Spielraum für einen moderaten Bewertungsanstieg besteht. Unserer Ansicht nach sind hohe Erwartungen an das EPS-Wachstum auf kurze und mittlere Sicht gerechtfertigt. Abgesehen von den Gewinnen weisen die Bilanzen eine solide Struktur auf, mit einem relativ niedrigen Verschuldungsgrad und einem hohen operativen Cashflow im Verhältnis zu den Verbindlichkeiten.
Es gibt erste Anzeichen für eine Verbreiterung der Gewinne am Aktienmarkt. Dies beinhaltet eine wachsende Aufmerksamkeit für die Ebenen unterhalb der großen KI-Namen, einschließlich der Unternehmen, die den KI-getriebenen Ausbau der Infrastruktur, der Chipindustrie, des Energiesektors und anderer Wirtschaftszweige unterstützen. Die jüngste Outperformance von US-Small-Caps gegenüber Large-Caps und die Underperformance von Hyperscalern gegenüber Sektoren wie Industrie und Finanzen sind ebenfalls Anzeichen für eine gewisse sich abzeichnende Rotation. Im Zuge dieser Rotation hat die Volatilität zugenommen, und jede durch diese Dynamik ausgelöste technische Korrektur würde unserer Ansicht nach angesichts solider Fundamentaldaten eine taktische Gelegenheit für eine Erhöhung des Engagements bieten.
Wir haben unsere Einschätzung zu US-Aktien auf „neutral“ geändert. Das Gewinnwachstum bleibt robust, und die Bewertungen erscheinen angemessen. Die Flut von Börsengängen dürfte in diesem Jahr zu einem positiven bis neutralen Nettoemissionsvolumen führen. Wir gehen zwar davon aus, dass der Markt diese Neuemissionen absorbieren kann, sind aber der Ansicht, dass das Wachstum der Nettoemissionen und die größeren Transaktionsvolumina dazu führen könnten, dass das Aktienangebot in den kommenden 12 Monaten eine gewisse Belastung für den Markt darstellt. Im Großen und Ganzen sehen wir bei verschiedenen Anlegergruppen keine Belege für überzogene Positionen, in bestimmten Bereichen wie gehebelten ETFs gibt es jedoch Anzeichen für einen gewissen Überschwang.
In Europa (ohne das Vereinigte Königreich) und im Vereinigten Königreich halten wir die Gewinnerwartungen weiterhin für zu hoch – die Sorge vor einer Stagflation ist unserer Ansicht nach relevanter. Frankreich und Deutschland haben unter der Konkurrenz aus China gelitten, und Risiken im Zusammenhang mit der politischen Instabilität in Frankreich im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2027 könnten die Stimmung belasten. Wir möchten jedoch betonen, dass wir Europa nicht negativ einschätzen und dass es Potenzial für positive Überraschungen gibt, beispielsweise Fortschritte bei der Reform der Finanzmärkte in der Europäischen Union (EU) oder eine schneller als erwartete Umsetzung der geplanten Konjunkturmaßnahmen in Deutschland.
Im Vergleich zu Europa ist unser Überzeugungsgrad in Bezug auf Aktien der Emerging Markets höher. Beispielsweise sind die aufstrebenden Märkte in Asien für die KI-Lieferkette von entscheidender Bedeutung. Darüber hinaus war Chinas Widerstandsfähigkeit während des Nahostkonflikts auffällig.
Wir nehmen gegenüber Japan eine neutrale Haltung ein. Der Markt profitiert weiterhin von Aktienrückkäufen, hohen bzw. sich verbessernden Eigenkapitalrenditen (ROE) und Unternehmensreformen. Wir sind jedoch besorgt über mögliche negative Auswirkungen durch Zins- und Währungsschwankungen in einer Zeit, in der die Bewertungen – gemessen an einigen Kennzahlen – so hoch sind wie schon seit Längerem nicht mehr.