1. Aktien: Qualität als Portfolioanker
Obwohl Qualität bei Aktienanlagen seit langem einen hohen Stellenwert hat, konnte die Wertentwicklung von Qualitätstiteln in letzter Zeit nicht wirklich überzeugen, was Fragen zur Rolle des Faktors Qualität in Portfolios aufgeworfen hat. Dies zeigt unserer Ansicht nach jedoch nur, dass Qualität im heutigen Marktumfeld neu definiert werden muss, stellt diesen Faktor aber nicht grundsätzlich in Frage.
Statische Definitionen basieren tendenziell auf vergangenheitsorientierten Kennzahlen, die möglicherweise die für Widerstandsfähigkeit und Wachstum ausschlaggebenden Merkmale nicht mehr abdecken. Unseres Erachtens sollte Qualität stärker unter einem zukunftsgerichteten und dynamischen Blickwinkel betrachtet werden. Eine Möglichkeit wäre, Qualität als Merkmal zu sehen, das darüber entscheidet, ob Unternehmen Wachstumsschübe in langfristigen Erfolg umwandeln können. Besonders gut gelingt dies tendenziell Unternehmen, die für den Geschäftserfolg wichtige Faktoren besonders gut im Griff haben, solide geführt werden und finanziell gut aufgestellt sind.
Die in letzter Zeit zu beobachtende Marktdynamik verstärkt diesen Trend zusätzlich. Die hohen Bewertungen von wachstumsstarken Qualitätsunternehmen, die traditionell als Marktführer gelten, scheinen in den Augen der Marktteilnehmer angesichts von Margendruck und Herabstufungen der Gewinnprognosen nicht mehr gerechtfertigt. Umgekehrt ist bei einem größeren Kreis von Unternehmen (auch solchen, die in der Vergangenheit als zyklischer galten,) ein Aufwärtstrend bei den Fundamentaldaten zu beobachten, der sich in höheren freien Cashflows, höheren Kapitalrenditen und einem widerstandsfähigeren Wachstumsprofil manifestiert. Qualität ist also nicht verschwunden, sondern hat sich vielmehr in ihrem Wesenskern gewandelt.
Unserer Ansicht nach wird man diesem neuen Qualitätsverständnis nur gerecht, wenn man sich von traditionellen Kategorien löst und sich bewusst macht, dass nachhaltiges Wachstum und Finanzstärke heute aus einem breiteren Spektrum von Quellen kommen. Diese Entwicklung spricht unserer Meinung nach für einen aktiven Ansatz, der hinreichend Flexibilität für die Anpassung von Qualitätskriterien bei Wachablösungen in der Marktführerschaft bietet, aber gleichzeitig auf Unternehmen fokussiert bleibt, die über widerstandsfähige Geschäftsmodelle verfügen und ihre Fundamentaldaten langfristig stärken können.
2. Börsennotierte Infrastruktur: stärker auf strukturelle Trends setzen
Ein Aktienportfolio mit stabilem Kern kann von wohlüberlegten Allokationen in langfristige Trends profitieren. Börsennotierte Infrastruktur ist hier ein Paradebeispiel, bietet dieses Marktsegment doch attraktiven Zugang zu generationenübergreifenden Themen wie KI, Energiewende und Sicherheit. Das altbekannte „Energie-Trilemma“, Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit unter einen Hut zu bringen, ist in den letzten Jahren noch komplexer geworden und hat sich zum einem „Quadrilemma“ entwickelt. Energie muss immer noch zuverlässig, bezahlbar und nachhaltig sein — doch nun muss zudem das Stromangebot ausgeweitet werden, um den stark gestiegenen Bedarf zu decken. KI hat sich zu einer weiteren Nachfragequelle entwickelt, was dazu führt, dass das Wachstum beim Strombedarf in Industrieländern um ein Vielfaches größer ist als in früheren Jahrzehnten.
Die Stromerzeugung ist aber nur ein Aspekt bei der Deckung des steigenden Strombedarfs. In den meisten Industrieländern – insbesondere dort, wo erneuerbare Energien schnell ausgebaut wurden – hat die Erzeugungskapazität die Übertragungs- und Verteilungsmöglichkeiten des Stromnetzes überholt. Zusammengenommen deuten das Wachstum in der Stromerzeugung und bei den Stromnetzen auf einen anhaltenden, langfristigen Investitionsbedarf hin – nicht nur im Jahr 2026, sondern weit darüber hinaus.
Wir sind davon überzeugt, dass regulierte Versorgungsunternehmen im Zentrum des aktuellen strukturellen Nachfragewandels stehen. Sie profitieren von zunehmend besseren regulatorischen Rahmenbedingungen und bieten Zugang zu wichtigen langfristigen Wachstumsthemen wie Elektrifizierung und KI, ohne die für diese Bereiche in der Regel typische Volatiltät.
3. Anleihen: weniger Schema F
Die Welt der Anleihemärkte ist heute komplexer als in der Vergangenheit, doch Anleihen sind und bleiben eine der Kernkomponenten eines diversifizierten Portfolios. Deglobalisierung, Unterschiede in der Inflationsentwicklung und wachsende Bedenken im Hinblick auf die Schuldentragfähigkeit werden durch die neuesten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten noch weiter verstärkt und führend dazu, dass Geldpolitik und Wirtschaftsentwicklung noch stärker auseinanderlaufen.
Dies hat weitreichende Konsequenzen für Anleger an den Anleihemärkten. Es genügt heute nicht mehr, einfach nur Anleihen als Ergänzung zu Aktien in einem Portfolio zu halten. Anleger müssen die Anleihenkomponente ihrer Portfolios bewusster gestalten. Auf Flexibilität und Titelauswahl kommt es an. Damit empfiehlt sich aus unserer Sicht ein aktiver Ansatz, der darauf abzielt, Chancen zu nutzen, die aus der Streuung an den Märkten und den Unterschieden zwischen Regionen und Sektoren entstehen.
Investment-Grade-Unternehmensanleihen können dabei zur Portfoliodiversifizierung beitragen. Da diese Anleihen von finanzstarken Unternehmen begeben werden, hielt sich das Ausfallrisiko bei diesen Papieren in der Vergangenheit stets in Grenzen, auch in Abschwungphasen. Bei den Kursen gibt es ebenfalls weniger Bewegung als in risikoreicheren Segmenten des Marktes für Unternehmensanleihen.
Mit Investment-Grade-Anleihen sind Portfolios bei Verkaufswellen nicht nur potenziell abgesichert. Aktive Manager von Rentenportfolios mit Fokus sowohl auf der Kursentwicklung als auch der laufenden Rendite können auch auf eine Spread-Ausweitung setzen, indem sie fundamental solide Anleihen zu Kursen kaufen, die ihrer Einschätzung nach unter ihrem tatsächlichen Wert liegen. Eine solche Strategie kann hohe Erträge erwirtschaften, wenn sich die Märkte stabilisieren und die Spreads wieder in Richtung ihrer vorherigen niedrigeren Stände tendieren. Allgemeiner gesprochen kann ein Fokus auf stabile Cashflows, starke Fundamentaldaten und attraktive Einstiegsgelegenheiten, die eher technisch bedingt als auf eine sich verschlechternde Bonität zurückzuführen sind, Anlegern dabei helfen, auch in schwierigen Marktphasen auf Kurs zu bleiben.
4. Diversifizierung: Renditequellen abseits der ausgetretenen Pfade
In der Vergangenheit haben Anleger ihre Portfolios durch ein Kombination aus Aktien und Anleihen diversifiziert. Breit gestreute Markt- und Anlageallokationen waren dabei das Erfolgsrezept. Dies funktionierte so lange gut, wie zwischen Aktien und Anleihen eine konstant negative Korrelation bestand. Diese Konstellation ist in letzter Zeit jedoch nicht mehr ganz so stabil (Abbildung 1).