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Der Wendepunkt am IPO-Markt

Wie eine neue Gruppe großer KI-fokussierter Unternehmen die Liquidität und die Marktstruktur grundlegend verändern könnte

4 Min. Lesezeit
2027-05-31
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Der IPO-Markt zeigt erste Anzeichen für ein starkes Emissionsvolumen im Jahr 2026. Diese Entwicklung wird jedoch eher von einer kleinen Zahl der größten und etabliertesten Privatunternehmen als von breit basierten Emissionsaktivitäten getragen. Wir sind der Ansicht, dass diese Handvoll skalierter, KI-orientierter Unternehmen, die sich auf den Börsengang vorbereiten, mehr als nur einzelne Liquiditätsereignisse sind. Unserer Ansicht nach könnten sie als Impulse für höhere Kapitalrückflüsse an Investoren (Distributed Paid-In Capital, DPI), die Herausbildung neuer Sektoren an den öffentlichen Märkten sowie für IPO-Entscheidungen der nächsten Welle von Privatunternehmen in der Spätphase fungieren.

  1. Distributed Paid-In Capital
  2. Herausbildung von Sektoren an den öffentlichen Märkten
  3. Entscheidungen zu Börsengängen

Die entscheidende Frage ist, ob diese Börsengänge Ausreißer sind oder ob sie das Vertrauen und die Kapitalflüsse im breiteren Venture-Capital-Ökosystem wiederherstellen können. In diesem Beitrag befassen wir uns mit dem letzteren Szenario und gehen dabei näher auf die drei oben genannten Bereiche ein.

Warum bei dieser nächsten Welle von Börsengängen mehr als nur die Bewertung relevant ist

Aktuellen Schätzungen zufolge dürften die drei größten privaten Unternehmen, die einen Börsengang für das Jahr 2026 planen, allein eine zusätzliche Marktkapitalisierung von fast 4 Billionen US-Dollar einbringen.1 Ein entscheidender Faktor hierbei ist, dass sich die derzeitigen Eigentümer hauptsächlich aus Risikokapital- und Wachstumsinvestoren zusammensetzen. Dadurch werden diese Börsengänge für beide Segmente des Privatmarkts zu bedeutenden Liquiditätsereignissen. Schließlich bleiben die Gründer zwar weiterhin bedeutende Anteilseigner und es kommt in einigen Fällen zu einer weiteren Verwässerung durch institutionelle Investoren, doch diese 4 Billionen US-Dollar entsprechen dem 15-Fachen des in diese Unternehmen investierten Risikokapitals.2 Nach einer längeren Phase begrenzter Ausschüttungen könnten sogar Teilverkäufe das Vertrauen der Limited Partner (LPs) stärken, die Kapitalbeschaffung erleichtern und die Erwartungen hinsichtlich möglicher Ausstiegszeitpunkte neu kalibrieren.

Wir sind der Ansicht, dass diese Börsengänge am besten als Liquiditätsereignisse auf Systemebene zu verstehen sind und nicht nur als Meilensteine bei der Preisgestaltung der einzelnen Unternehmen. Bislang war DPI das fehlende Glied in der allgemeinen Erholung des Venture-Kapital-Marktes (siehe Abbildung 1), auch wenn die gemeldeten Bewertungen weiter gestiegen sind.

Abbildung 1

Aufgrund der Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen ist ein neuer Ansatz für die Diversifizierung erforderlich.

Diese Ereignisse könnten einen Weg bieten, um nicht realisierte Gewinne in Barausschüttungen umzuwandeln und dadurch Folgendes bewirken:

  • Erhöhte Bereitschaft der LPs, weiteres Kapital bereitzustellen
  • Geringere Abhängigkeit von sekundären Liquiditätslösungen
  • Größere Flexibilität bei der zeitlichen Planung von Exits für General Partner (GPs)

Zu beachten ist, dass der tatsächlich erzielte DPI nicht nur von der Erstemission, sondern auch von der Kursentwicklung nach dem Börsengang, den Sperrfristen und der Marktakzeptanz abhängt. Im Folgenden erläutern wir, weshalb wir hinsichtlich dieser Faktoren optimistisch sind. Insgesamt sind wir der Ansicht, dass diese wenigen großen Exits das Potenzial haben, die Kapitalrückführung überproportional zu beeinflussen.

Öffentliche Märkte sind in reinen KI-Werten und wachstumsstarken Titeln strukturell untergewichtet

Wir sind der Ansicht, dass diese Börsengänge einen ebenso großen Einfluss auf die öffentlichen Märkte haben werden. Unternehmen, die sich ausschließlich auf KI spezialisiert und bereits eine gewisse Größe erreicht haben, sind an den öffentlichen Aktienmärkten nur in begrenztem Umfang vertreten. Dies gilt insbesondere für solche, deren Umsatz direkt von der Einführung von KI abhängt. Im Vergleich zu früheren Zyklen sind viele der am schnellsten wachsenden Unternehmen länger privat geblieben. Dadurch hat sich eine Kluft zwischen Innovationen am privaten Markt und dem Zugang über öffentliche Märkte entwickelt. Dies hat einerseits zu einer anhaltenden Nachfrage öffentlicher Investoren nach wachstumsstarken Anlagen und andererseits zu einer potenziellen Bereitschaft geführt, große, komplexe Börsengänge zu absorbieren. Diese nächste Welle von Börsengängen könnte dazu beitragen, ein eigenständiges KI-Segment an den öffentlichen Märkten zu etablieren. Dies würde präzisere thematische Allokationen entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette ermöglichen. Wir gehen davon aus, dass diese Börsengänge daher eine anhaltende Nachfrage verzeichnen könnten, die eher auf dieser strukturellen Untergewichtung im KI-Wachstumssegment als auf kurzfristigen Marktbedingungen beruht.

Diese potenziellen Börsennotierungen könnten zudem von strukturellen Faktoren profitieren. Dazu zählen eine frühzeitige Indexzulassung und Aufnahme in Referenzindizes, die damit verbundenen passiven Kapitalzuflüsse im Zusammenhang mit wichtigen Indizes sowie das im Verhältnis zur Nachfrage begrenzte Emissionsvolumen. Diese Dynamik kann zu einer frühen Handelsstabilität beitragen, die Liquidität und Transparenz erhöhen und die Beteiligung institutioneller Anleger beschleunigen.

Entscheidend ist, dass diese technischen Faktoren zwar die kurzfristigen Ergebnisse beeinflussen können, die längerfristige Wertentwicklung aber weiterhin von den jeweiligen Fundamentaldaten der einzelnen Unternehmen abhängt.

Auswirkungen auf Entscheidungen zu Börsengängen

Die nächste potenzielle Welle von Unternehmen, die voraussichtlich mit einer Bewertung zwischen 5 und 75 Mrd. USD an die Börse gehen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab: der Aktienkursentwicklung dieser ersten Unternehmen nach dem Börsengang, der Stabilität der Bewertungserwartungen und der anhaltenden Nachfrage seitens der Anleger. Starke frühe Ergebnisse würden unserer Ansicht nach Unterstützung für Börsengänge insgesamt bieten. Schwache Ergebnisse hingegen könnten die Notwendigkeit einer selektiven Vorgehensweise unterstreichen und zu Verzögerungen in den Pipelines führen.

Diese erste Welle wird aller Voraussicht nach die Voraussetzungen für den Zugang zum Börsenparkett festlegen. Ganz gleich, wie erfolgreich diese ersten Börsengänge sind, lassen sich aus dem aktuellen Umfeld unserer Ansicht nach einige wichtige Erkenntnisse für Unternehmen, GPs und LPs ableiten:

Für Unternehmen:

  • Anhaltender Fokus auf Größe, Nachhaltigkeit und Börsenreife
  • Verstärkter Einsatz von zweigleisigen IPO- und M&A-Strategien

Für GPs:

  • Ein selektiverer Ansatz bei der Wahl des Exit-Zeitpunkts
  • Laufende Neubewertung öffentlicher und privater Liquiditätsoptionen

Für LPs:

  • Bessere Übersicht über das Timing von Liquiditätsereignissen
  • Die Notwendigkeit, zwischen Börsengängen und realisiertem DPI zu unterscheiden

Fazit zum heutigen Wendepunkt am IPO-Markt

Der IPO-Markt scheint bereit für eine Wiederbelebung zu sein. Dies beschränkt sich allerdings auf eine kleine Gruppe großer, qualitativ hochwertiger Privatunternehmen, die vor allem auf den Megatrend der künstlichen Intelligenz ausgerichtet sind. Diese Transaktionen dürften sich stärker auf die Liquidität, die Kapitalrückführung und die Struktur der öffentlichen Märkte auswirken als auf die reinen Bewertungskennzahlen. Ausschlaggebend wird sein, ob es diesen IPO-Kandidaten gelingt, das Vertrauen wiederherzustellen und im Laufe der Zeit einer größeren Zahl von Unternehmen den Gang an die Börse zu ermöglichen.

Gleichzeitig sind wir der Ansicht, dass Engagements in den Bereichen Venture Capital und Growth Equity für Anleger, die nicht nur von dieser ersten Welle der KI-Innovation, sondern auch von künftigen Wellen profitieren möchten, weiterhin von Bedeutung sein werden.

1Basierend auf der erwarteten Gesamtmarktkapitalisierung der drei größten Privatunternehmen, deren Börsengang für das Jahr 2026 erwartet wird. Basierend auf einer Analyse von Wellington vom April 2026. | 2Berechnet durch Teilen der erwarteten Gesamtmarktkapitalisierung der drei größten Privatunternehmen, deren Börsengang für das Jahr 2026 erwartet wird, durch das Gesamtvolumen des in sie investierten Risikokapitals. Basierend auf PitchBook-Daten vom April 2026.

Die zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind diejenigen der Autoren zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Dokuments. Andere Teams können andere Ansichten vertreten und andere Anlageentscheidungen treffen. Der Wert einer Anlage kann gegenüber dem Zeitpunkt der ursprünglichen Investition steigen oder sinken. Von externen Anbietern stammende Daten werden zwar als verlässlich erachtet, doch gibt es keine Garantie für ihre Richtigkeit. Nur für professionelle, institutionelle oder zugelassene Anleger.

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Matt Witheiler

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William Craig

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Mark Watson, CAIA

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