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Anlageperspektiven

3 Argumente für chinesische Aktien 

5 Min. Lesezeit
2027-03-31
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Johnny Yu, CFA, Macro Strategist
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Wichtigste Schlussfolgerungen: 

  • Der jüngste Aufwärtstrend am chinesischen Aktienmarkt ist Spiegelbild des wachsenden Optimismus in Bezug auf Wettbewerbsfähigkeit und Innovationspotenzial chinesischer Unternehmen.
  • Trotz nach wie vor bestehender Risiken ist ein pragmatisches Management der strategischen Rivalität im Verhältnis zwischen den USA und China an die Stelle unkontrollierter Eskalation getreten, was auf kurze Sicht die geopolitische Risikoprämie sinken lässt.
  • Dass die chinesische Regierung ihre Orientierung an rein quantitativen Wachstumszielen aufgegeben hat und nun auf qualitatives Wachstum setzt, verspricht nachhaltiges Wachstum bei Innovationen, Rentabilität und Renditen. In Kombination mit Maßnahmen zur Stimulierung des Binnenkonsums stabilisiert dieser Kurswechsel die Wirtschaftsentwicklung.

Das Jahr 2025 markiert nach einer langen Phase relativer Risikoaversion eine Trendwende am chinesischen Aktienmarkt. Auch wenn es nach wie vor Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit des chinesischen Wachstumsmodells gibt, hat sich die Stimmung am Markt aufgehellt. Junge wachstumsstarke Unternehmen, geringere geopolitische Risiken und stärkere politische Unterstützung haben maßgeblich zu diesem Stimmungsumschwung beigetragen. 

1. Stimmungsumschwung in Bezug auf die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie

2025 verzeichnete der MSCI China Index, ein Barometer für den chinesischen Aktienmarkt, eine Rendite von 31,17% in lokaler Währung und schlug damit den MSCI All Country World Index (22,06%) deutlich. Auch gegenüber dem Vorjahreswert von 16,37% für den MSCI China Index ist dies eine kräftige Steigerung. 

Triebfedern dieser respektablen Wertentwicklung waren wachsender Optimismus in Bezug auf die innovationsstarken Sektoren der heimischen Wirtschaft und die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Unternehmen. Dies führte zu einer signifikanten Umschichtung privater Ersparnisse aus sicheren Einlagen und Immobilien in Aktien. Günstige Bewertungen und größeres Wachstumspotenzial veranlassten auch internationale Anleger dazu, ihre Untergewichtung des chinesischen Marktes zu reduzieren. Positive Impulse kamen zudem von der chinesischen Zentralbank, die den chinesischen Aktienmarkt mit Instrumenten zur Förderung von Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufen anlegerfreundlicher machen will.

Trotz anhaltender Preisdeflation und der Schwäche am Immobilienmarkt besteht damit Aussicht auf positive Gesamtrenditen. Auch wenn sich diese Risikofaktoren in diesem Jahr nicht in Luft auflösen werden, da sowohl chinesische als auch ausländischen Investoren in China stark untergewichtet sind, hat der Markt in seiner Aufwärtsbewegung 2026 noch viel Luft nach oben. 

2. Verhältnis USA-China: Übergang zu einem pragmatischen Management der strategischen Rivalität 

Die Spannungen in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China haben lange Zeit das Marktgeschehen dominiert und Ängste vor einer erneuten Eskalation des Konflikts geschürt. Doch das Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping im Oktober 2025 lieferte bessere Ergebnisse als erwartet. Die beiden Regierungschefs erzielten eine Einigung, die viele der Risiken für chinesische Aktien entschärfte (Abbildung 1). Da sowohl die USA als auch China daran arbeiten, ihre jeweiligen wirtschaftlichen Schwachstellen zu reduzieren, ist mit einer Stabilisierung der Handelsbeziehungen zu rechnen, sodass die Risikoprämie bei chinesischen Aktien spürbar sinken dürfte.

Abbildung 1

ErgebnisEinzelheitenPotenzielle Positiveffekte für
Zollsenkungen Senkung des Zolls auf Fentanyl-Produkte auf 10% Exportorientierte Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes und der Industrie in China
Lockerung von Exportbeschränkungen im Technologiesektor Lockerung von Exportkontrollen für leistungsstärkere KI-Chips und Rücknahme von AusfuhrbeschränkungenChinesische Tech-Industrie (Hardware- und Software-Unternehmen)
Entspannung bei Seltenen Erden Aussetzung der chinesischen Exportkontrollen bei Seltenen Erden für ein JahrGlobale Lieferketten (Stabilisierung zu erwarten)

Die Ergebnisse dieses Gipfeltreffens sind positiv für den chinesischen Fünfjahresplan mit den Schwerpunkten industrielle Modernisierung, technologische Unabhängigkeit und Innovationen. Die USA streben ähnliche Ergebnisse an. Dies führt zu einem pragmatischen Management der strategischen Rivalität zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, die sich einen Wettlauf um die Vorherrschaft in Industrie und Technologie liefern. Wenngleich die Rivalität zwischen den USA und China fortbesteht, so besteht doch zumindest zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Beitrags nur ein begrenztes Risiko einer offenen Konfrontation. 

Auch die jüngsten Spannungen in Zusammenhang mit Venezuela und Grönland bestätigen uns in dieser Einschätzung. Während die US-Regierung Schritte unternahm, die aus ihrer Warte zentralen Interessen der USA in der westlichen Hemisphäre zu sichern, betrachtet Peking seine strategischen Interessen aus einer deutlich langfristigeren Perspektive. China bringt sich als potenzielles Gegengewicht zu den forscher auftretenden USA in Stellung und präsentiert sich als die im Vergleich berechenbarere Macht. Trotz anhaltender globaler Spannungen scheint sich das Marktumfeld für chinesische Unternehmen im Ausland insgesamt verbessert zu haben. 

3. Langfristige Abkehr von quantitativen Wachstumszielen hin zu qualitativem Wachstum

Strukturell entwickelt sich die chinesische Wirtschaft weg vom Immobiliensektor als Wachstumsmotor hin zu innovationsgetriebenem, nachhaltigem Wachstum in Sektoren wie KI, Robotik, erneuerbare Energien und wertschöpfungsintensiver Fertigung. Auch wenn dieser Übergangsprozess kurzfristig einen wachstumsdämpfenden Effekt haben wird, spielt er doch eine Schlüsselrolle für den Erfolg des neuesten Fünfjahresplans der chinesischen Regierung wie auch für die langfristige Tragfähigkeit des Wirtschaftswachstums. 

Konjunkturell liegt der wirtschaftspolitische Fokus auf profitablem Wachstum bei Unternehmen. China hat sich den Kampf gegen „Involution“ auf die Fahnen geschrieben – dieses Schlagwort seht für eine Art selbstzerstörerischen Wettbewerb oftmals auf Kosten der Rentabilität. Die Maßnahmen, die die Regierung im vergangenen Jahr ergriffen hat, um den Investitionsüberhang in den Griff zu bekommen und das Überangebot in den Bereichen Solarenergie und Lithiumbatterien zu reduzieren, haben mit Margensteigerungen erste Früchte getragen. Wir gehen davon aus, dass diese Politik 2026 auf breiterer Front praktiziert und damit zu einer weiteren Normalisierung der Eigenkapitalrenditen beitragen wird.

Besonderes Augenmerk verdient die Neuordnung des aufsichtsrechtlichen Rahmens für den chinesischen Kapitalmarkt unter „Qualitätsgesichtspunkten“. Das Spektrum an regulatorischen Änderungen reicht von strengeren IPO-Standards über bessere Corporate Governance und Regeln für den Anlegerschutz bis hin zu Anreizen für höhere Aktionärsrenditen, von denen die politisch Verantwortlichen lange nichts wissen wollten. Mit bereits laufenden Reformen soll zudem eine Aktienkultur gefördert werden, um Aktien als Instrument der Kapitalanlage für private Haushalte zu etablieren. Die meisten dieser Initiativen werden wohl erst mit der Zeit Früchte tragen, sie zeigen aber einen zunehmenden Fokus auf eine langfristige Stabilisierung des Aktienmarktes.

Anlageimplikationen

Aus Anlegersicht markiert dies einen Wendepunkt. Der chinesische Aktienmarkt entwickelt sich stärker in Richtung der wirtschaftspolitischen Ziele des Staates, zeichnet sich durch größere institutionelle Stabilität aus und profitiert zunehmen von strukturellen Trends. Für ein globales Portfolio bietet dies interessante Möglichkeiten. 

Bei näherer Betrachtung des chinesischen Aktienmarktes stellen sich Anleger vielleicht die Frage, welche Marktsegmente besonders von diesem neuen strategischen Kurs in Politik und Wirtschaft profitieren. Besonders vielversprechend sind meines Erachtens die folgenden: 

  • Innovative und wertschöpfungsintensive Sektoren in der Industrie: Industriezweige wie Halbleiter, Automatisierung und saubere Energie, die mit der strategischen Umorientierung auf Technologie und industrielle Modernisierung in Einklang stehen, dürften nachhaltig profitieren. 
  • Dienstleistungssektor der chinesischen Wirtschaft: Mit der Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung und steigenden Haushaltseinkommen dürfte sich der Anteil des Dienstleistungssektors an den Konsumausgaben den Werten in Industrieländern annähern.
  • Dividendenstarke Aktien: Angesichts der entsprechenden Unterstützung von Seiten der Politik nutzen mehr Unternehmen Instrumente wie Dividendenausschüttungen, Rückkäufe, Fusionen und Übernahmen sowie Kapitalmaßnahmen zur Steigerung des Shareholder Value.

Die zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind diejenigen des Autor bzw. der Autorin zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Dokuments. Andere Teams können andere Ansichten vertreten und andere Anlageentscheidungen treffen. Der Wert einer Anlage kann gegenüber dem Zeitpunkt der ursprünglichen Investition steigen oder sinken. Von externen Anbietern stammende Daten werden zwar als verlässlich erachtet, doch gibt es keine Garantie für ihre Richtigkeit. Nur für professionelle, institutionelle oder zugelassene Anleger. 

Experte

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Johnny Yu

, CFA

Macro Strategist

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