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Anlageperspektiven

Geopolitik im Jahr 2026: Risiken und Chancen, die wir im Auge behalten

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Thomas Mucha, Geopolitical Strategist
4 Min. Lesezeit
2027-01-31
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Die zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind diejenigen des Autors bzw. der Autorin zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Dokuments. Andere Teams können andere Ansichten vertreten und andere Anlageentscheidungen treffen. Der Wert einer Anlage kann gegenüber dem Zeitpunkt der ursprünglichen Investition steigen oder sinken. Von externen Anbietern stammende Daten werden zwar als verlässlich erachtet, doch gibt es keine Garantie für ihre Richtigkeit. Nur für professionelle, institutionelle oder zugelassene Anleger.

Kernaussagen

  • Der strukturelle geopolitische Ausblick für das Jahr 2026 wird durch den Wettstreit der Großmächte USA und China, weltweite Konflikte sowie eine fragmentierte globale Ordnung geprägt.
  • Die Priorisierung der nationalen Sicherheit eröffnet interessante Anlagechancen, unter anderem im Hinblick auf KI und neue Technologien.
  • In der Folge sind Unterschiede auf regionaler, Länder-, Branchen- und Unternehmensebene sowie über Anlageklassen hinweg wahrscheinlich. Dies ist eine Dynamik, bei der sich aktives Management anbietet.

Auch im Jahr 2026 werden geopolitische Risiken eine wichtige Variable in der globalen Investmentlandschaft sein, die es zu beobachten gilt. Gleichzeitig schaffen die historischen strukturellen Veränderungen, die derzeit die nationale Sicherheit und die politischen Rahmenbedingungen weltweit prägen, auch Anlagechancen – sofern man weiß, wo man suchen muss.

Struktureller Ausblick: Weit entfernt vom Goldlöckchen-Szenario

Die kombinierten Belastungen durch den Wettstreit der Großmächte USA und China, eine sich rasch fragmentierende Weltordnung sowie die längerfristigen Auswirkungen des Klimawandels zeichnen ein strukturell negatives geopolitisches Bild für das Jahr 2026. Hinzu kommt die beispiellose Anzahl schwerwiegender militärischer Konflikte weltweit, beispielsweise in der Ukraine, im Nahen Osten, in Venezuela und in mehreren Teilen Asiens. Daher ist eine stärkere Fokussierung auf die nationale Sicherheit sehr wahrscheinlich. Diese geopolitischen Spannungen werden mehrere wichtige Trends vorantreiben:

  • Erhöhte Verteidigungsausgaben weltweit 
  • Zunehmende Fokussierung auf die nationale Sicherheit, insbesondere im Zusammenhang mit KI und anderen neuen Technologien
  • Verstärkter Schutz und Förderung der für den Wettstreit der Großmächte wichtigsten Faktoren, darunter kritische Mineralien, Biotechnologie und Halbleiter
  • Fortgesetzte Anwendung von Zöllen und anderen wirtschaftlichen Instrumenten in einem geostrategischen Kontext

Kurz gesagt: Das Jahr 2026 wird alles andere als ein Goldlöckchen-Szenario sein. Umsichtige Anleger sollten entsprechend reagieren.

In der Praxis bedeutet dies, dass wir uns auf eine im Vergleich zur Blütezeit der Globalisierung strukturell höhere Inflation, ein geringeres Wachstum sowie differenziertere makroökonomische und marktbezogene Ergebnisse einstellen müssen. Es bedeutet auch, dass sich Anleger stärker auf die wichtigsten langfristigen Anlagethemen ausrichten sollten, die sich aus dieser beschleunigten politischen Neuausrichtung mit verstärkten nationalen Sicherheitsprioritäten ergeben.

Umgang mit geopolitischen Spannungen: Welche Regionen beobachtet werden müssen und mögliche Reaktionen

Da im Jahr 2026 zahlreiche geopolitische Risiken mit einer großen Bandbreite möglicher Folgen bestehen werden, könnten eine Szenarioplanung und ein flexibler Anlageansatz von Vorteil sein.

Die folgenden Entwicklungen sollten im Laufe des Jahres nicht aus den Augen gelassen werden:

Die Beziehung zwischen den USA und China

  • Auch im Jahr 2026 und in den kommenden Jahren bleiben die bilateralen Beziehungen zwischen Washington und Peking der wichtigste Indikator für geopolitische Spannungen.
  • Vor dem für April geplanten Gipfeltreffen zwischen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und US-Präsident Donald Trump könnte eine Phase der Stabilisierung eintreten. Dieses Treffen sollte zu einer vorläufigen Handelsvereinbarung führen, die von der Stärke der USA im Bereich der fortschrittlichen Halbleitertechnologie sowie der bedeutenden Rolle Chinas bei der Lieferung kritischer Mineralien und Seltener Erden beeinflusst werden dürfte.
  • Angesichts des sich verschärfenden Wettstreits zwischen den Großmächten – insbesondere in den Bereichen neue Technologien und Verteidigung – ist eine Fortsetzung dieser langfristigen strategischen Entkopplung sehr wahrscheinlich.
  • Was es zu beobachten gilt: Die diplomatische Position der USA in der APAC-Region im Jahr 2026 sowie die Frage, ob Präsident Trump einen eher „transaktionalen“ Ansatz in Bezug auf die Sicherheitspolitik der USA in der Region verfolgt.

Ukraine/Russland

  • Im Jahr 2026 ist mit einer gewissen Deeskalation des Konflikts zu rechnen, da beide Seiten aufgrund ihrer jeweiligen Ressourcenbeschränkungen eine Verhandlungslösung anstreben.
  • Ein möglicher Waffenstillstand dürfte hart umkämpft und äußerst instabil sein.
  • Fazit: Es ist davon auszugehen, dass die Ukraine ihre Souveränität bewahrt, einen Teil ihrer territorialen Integrität jedoch aufgeben muss. Gleichzeitig haben die NATO-Staaten in ganz Europa angesichts der russischen Aggression und des schwindenden Vertrauens in den Sicherheitsschirm der USA weiterhin Anreize, ihre Wiederaufrüstungspläne zu beschleunigen.

USA/Venezuela

  • Am 3. Januar leiteten die USA eine militärische Operation zur Absetzung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro ein. Derzeit rechnen wir nicht mit größeren Störungen der Risikomärkte oder der Ausbreitung regionaler Konflikte.
  • Diese Maßnahmen bestärken mich in meiner Überzeugung, dass sich die Trump-Regierung zunehmend auf den Wettstreit der Großmächte in der westlichen Hemisphäre konzentriert. Die USA werden wahrscheinlich versuchen, hier mehr Einfluss auszuüben, um dem Vorgehen Chinas und Russlands in Venezuela und der gesamten Region entgegenzuwirken.
  • Was es zu beobachten gilt: Das Potenzial für breitere Störungen bleibt eine wichtige Variable, die überwacht werden muss. Dies schließt die Möglichkeit eines massiven Flüchtlingsstroms aus Venezuela und einer Verschärfung des politischen Konflikts ein, falls sich die interne Lage in naher Zukunft verschlechtert.

Iran/Israel

  • Angesichts der „existenziellen Bedrohung“, die das iranische Atomprogramm für Israel darstellt, ist die Wahrscheinlichkeit weiterer militärischer Konflikte zwischen den beiden Ländern hoch.
  • Ein Konflikt hätte nur minimale Auswirkungen auf den Markt, sofern er sich nicht regional ausbreitet oder die Ölförderung erheblich beeinträchtigt.
  • Was es zu beobachten gilt: Ob Israel und die USA eine Strategie des Regimewechsels im Iran verfolgen.

Innenpolitik weltweit

  • Die Innenpolitik wird voraussichtlich im gesamten Jahr 2026 in verschiedenen Ländern eine überproportional große Rolle bei der Außenpolitik spielen, was den globalen geopolitischen Ausblick unsicherer und volatiler macht.
  • Was es zu beobachten gilt: Zwischenwahlen in den USA im November, Wahlen in Russland, Israel, Brasilien und Ungarn sowie EU-Regierungen, die sich mit zunehmendem Populismus, politischer Fragmentierung, Einwanderung und sozialen Spannungen im Zusammenhang mit neuen Prioritäten bei den Verteidigungsausgaben auseinandersetzen müssen.

Anlagechancen in einem sich wandelnden geopolitischen Umfeld

Geopolitische Zyklen sind lang: Historisch betrachtet dauern sie zwischen 80 und 100 Jahren. Strukturelle Veränderungen, wie wir sie derzeit erleben, treten nur einmal pro Jahrhundert auf und sind in der Regel mit Umbrüchen verbunden. In diesem neuen Umfeld ist das Marktrisiko strukturell höher. Das Jahr 2026 wird jedoch fortlaufend neue Möglichkeiten bieten, um potenzielle Gewinner und Verlierer in Portfolios zu identifizieren.

Da diese Schwerpunktverlagerung auf die nationale Sicherheit wahrscheinlich mehrere Jahre, wenn nicht sogar länger, andauern wird, könnte das Jahr 2026 ein guter Zeitpunkt sein, um sich stärker in verschiedenen langfristigen Anlagethemen an den öffentlichen und privaten Märkten zu engagieren. Dazu zählen unter anderem die folgenden:

  • Verteidigung und innovative Verteidigungstechnologien (z.B. KI, Raumfahrt und Luftfahrt)
  • Kritische Mineralien und Seltene Erden
  • Biotechnologie
  • Cyberabwehr
  • Strategien für erneuerbare Energien und Klimaresilienz

Dies gilt auf Ebene der einzelnen Regionen, Länder, Branchen und Unternehmen sowie für alle Anlageklassen. Meiner Ansicht nach eignet sich dieses Umfeld von Natur aus gut für aktives Management, da sich so möglicherweise erhöhte Marktrisiken besser vermeiden lassen und Unterschiede flexibler ausgenutzt werden können als bei einem passiven Ansatz. Insbesondere könnten sich Alpha-Chancen für Long/Short-Strategien und andere alternative Strategien ergeben. In jedem Fall bin ich der Ansicht, dass umsichtige Anleger gut beraten sind, ab 2026 eine geopolitische Perspektive in ihre Portfoliostrategie einzubeziehen.

Erfahren Sie mehr über Geopolitik vor einem Anlagehintergrund

In unserem WellSaid-Podcast erörtert unser geopolitischer Stratege Thomas Mucha die Zusammenhänge zwischen makroökonomischen, marktbezogenen und geopolitischen Kräften. Hören Sie sich sein jüngstes Gespräch mit dem Rohstoffportfoliomanager David Chang an.

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Thomas Mucha

Geopolitical Strategist

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