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AKTIENAUSBLICK ZUR JAHRESMITTE 2026

Vorbereitung auf eine Veränderung in der US-Sonderstellung

9 Min. Lesezeit
2027-07-31
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Andrew Heiskell, Equity Strategist
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Nicolas Wylenzek, Macro Strategist
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Dies ist ein Auszug aus unserem Investmentausblick, in dem Spezialisten aus verschiedenen Bereichen unserer Investmentplattform ihre Einblicke in die Wirtschafts- und Marktfaktoren vorstellen, die aus unserer Sicht die Entwicklung von Portfolios beeinflussen werden.

In den letzten 15 Jahren haben börsennotierte US-Unternehmen eine überdurchschnittliche Performance und ein schnelleres Wachstum erzielt als der Rest der Welt und dabei zugleich die Erwartungen hinsichtlich der absoluten Erträge nahezu durchgängig übertroffen. In Verbindung mit attraktiven Ausgangsbewertungen haben diese günstigen Rahmenbedingungen zu einer längeren Phase mit außergewöhnlichen Renditen für US-Aktien geführt, die deutlich über denen anderer Anlageklassen und Märkte lagen (Abbildung 1). Für Anleger außerhalb der USA wurden diese Renditen durch einen kontinuierlich stärker werdenden US-Dollar noch gesteigert. Angesichts nun deutlich höherer Bewertungen und wachsender Zweifel an der globalen Führungsrolle der USA fragen sich Anleger nun, ob diese US-Sonderstellung von Dauer sein kann.

Abbildung 1

Rangliste: Zusatzertrage der Anlageklassen auf rollierende 10-Jahressicht

Mit Blick auf die zweite Hälfte des Jahres 2026 stellt sich nun vielleicht weniger die Frage, ob sich die US-Sonderstellung verändern könnte, sondern wie. Und was können Anleger tun, um sich darauf vorzubereiten? Das erste Halbjahr gibt uns bereits erste Anhaltspunkte. In diesem Artikel möchten wir einige diesbezügliche Beobachtungen mit Ihnen teilen.

Vom Multilateralismus zum Unilateralismus: Die Streuung ist zurück
Das vorherige Wirtschaftsumfeld einer fortschreitenden Globalisierung war geprägt von synchronem globalem Wachstum, eng korrelierten Konjunkturzyklen und Aktienmärkten, einer geringen Streuung, niedriger Inflation und sinkenden Zinsen. In einem stark synchronisierten Umfeld hatten Anleger einen Anreiz, ihre Diversifizierung zu reduzieren und ihr Engagement auf die jeweilige Anlageklasse (oder den Markt) zu konzentrieren, die bzw. der das beste Wachstum erzielte. In diesem Zeitraum führte alles, was ein Anleger unternahm, um sich gegen den US-Aktienmarkt oder den US-Dollar abzusichern oder sein Portfolio zu diversifizieren, im Allgemeinen zu einer höheren Volatilität und geringeren Renditen. Wie jedoch Abbildung 2 verdeutlicht, bewegen sich die globalen Märkte nicht mehr so im Gleichschritt wie zuvor. Die Korrelation der globalen Aktienmärkte stieg ab dem Jahr 2000 stetig an und erreichte 2016 ihren Höhepunkt – ein Zeitraum, der rückblickend die allmähliche Fragmentierung des Globalisierungstrends einläutete. Da sich die einzelnen Volkswirtschaften zunehmend unterschiedlich entwickeln, liegen die Korrelationen zwischen den Ländern nun unweit des tiefsten Standes seit Jahrzehnten.

Abbildung 2

Korrelationen zwischen den Ländern unweit der tiefsten Stande seit Jahrzehnten aufgrund des weniger

Der Ausgangspunkt für Bewertungen spielt durchaus eine Rolle
Der heutige US-Aktienmarkt ist völlig anders als noch vor 50 Jahren. Damals waren die kapitalintensiven Fertigungs- und Industriesektoren das schlagende Herz des amerikanischen Aktienmarktes. Als dann der weniger kapitalintensive Technologiesektor Fahrt aufnahm, vergrößerte sich der Wachstumsspielraum exponentiell und trug dazu bei, die US-Sonderstellung zu stärken. Der rasante Anstieg der KI-bezogenen Investitionsausgaben stellt nun jedoch die künftige Rendite dieses investierten Kapitals infrage.

Zudem haben US-Aktien ihre höheren Bewertungen in der Vergangenheit dadurch verdient, dass sie konstant ein schnelleres Wachstum und über den Erwartungen liegende Ergebnisse erzielten. Derzeit deuten die Bewertungen auf eine künftig größere Hürde für ein Übertreffen der Gewinnerwartungen hin, und dies zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Positionierung der USA im Vergleich zum Rest der Welt möglicherweise verändert, während die Gewinnerwartungen für die USA insgesamt auf einem Mehrjahreshoch bleiben.

Die USA bekommen im KI-Bereich zunehmend Konkurrenz
Herausragende US-Unternehmen können sich zwar weiterhin hervortun, in dieser frühen Phase der KI-Einführung sehen wir aber reichlich Spielraum für neue Wettbewerber (in den USA und anderswo), um zu wachsen, erfolgreich zu sein und sogar etablierte Unternehmen zu verdrängen. Umsichtige Anleger werden sowohl bei etablierten als auch bei neuen Unternehmen nach Chancen suchen – nicht nur in traditionell dominanten Märkten wie den USA, sondern auch in Regionen wie Asien, wo neue, innovative und KI-orientierte Unternehmen große Entwicklungspotenziale bieten.

Es ist hervorzuheben, dass zwar US-amerikanische Mega-Cap-Technologieunternehmen die Anwendungs- und Plattformebene der KI dominieren, Asien jedoch eine entscheidende Rolle bei der Bereitstellung der zugrunde liegenden Infrastruktur spielt – die Rolle der Region im Halbleiter-Ökosystem ist hierfür ein gutes Beispiel. Die Region hat eine Führungsposition in den Bereichen Materialien, Speichertechnologie und fortschrittliche Fertigungsverfahren inne, die unserer Ansicht nach nur schwer in großem Maßstab nachzubilden ist. Japan verfügt über einen erheblichen Anteil an den entscheidenden Materialien und Werkzeugen, Südkorea ist führend im Bereich Speicherchips, und Taiwan setzt weiterhin Maßstäbe bei fortschrittlichen Fertigungs- und Verpackungsverfahren.

Das Gewinnwachstum verbreitert sich, auch jenseits des KI-getriebenen Wachstums
Zwar wird von den heutigen Marktführern in den USA größtenteils weiterhin ein überdurchschnittliches Wachstum erwartet, insbesondere im breiteren Technologiesektor, es gibt jedoch Gründe, den Blick auch auf andere Bereiche zu richten – sowohl in den USA als auch darüber hinaus. Vor dem Hintergrund eines über den Erwartungen liegenden Wirtschaftswachstums und anhaltender fiskalpolitischer Unterstützung sehen wir weiterhin Anzeichen für eine Verbreiterung des Gewinnwachstums über verschiedene Sektoren, Marktkapitalisierungssegmente und Regionen hinweg. Dies deutet auf das Potenzial für einen breiteren Kreis von Nutznießern hin und legt nahe, dass Anleger von einer Ausrichtung auf diversifiziertere Wachstumsquellen profitieren könnten.

Die Position des US-Dollar bleibt unsicher
Einer der wichtigsten Beiträge zur Sonderstellung der USA war bislang die stetig zunehmende Währungsstärke, die nicht nur höhere Renditen, sondern auch Diversifizierungsvorteile in einem durch Risikoaversion geprägten Umfeld geliefert hat. Dieser Trend einer anhaltenden Dollarstärke ist nun zu Ende gegangen, wie die deutliche Abschwächung zeigt, die vor dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran zu beobachten war. Seitdem hat sich der Dollar zwar etwas erholt, bleibt aber langfristig anfällig in Bezug auf die wachsende Unsicherheit über die US-Haushaltslage und die Rolle des Dollar als Weltreservewährung. Die Attraktivität des Dollar könnte zusätzlich geschwächt werden, wenn Anleger ihn künftig zunehmend als Verstärker von Risiken anstatt als Mittel zur Risikominderung wahrnehmen.

Politische Maßnahmen der USA lösen weiterhin „reflexartige“ Reaktionen im Rest der Welt aus
Politische Faktoren und Ziele prägen mittlerweile wirtschaftliche Entscheidungen. Dies bedeutet, dass Anleger zunehmend darauf achten müssen, in welche Richtung die Politik steuert, um Risiken und Chancen zu verstehen.
Da sich die US-Politik von der bisherigen Weltordnung abwendet, könnten die entsprechenden Reaktionen anderer Länder deren eigene Widerstandsfähigkeit und wirtschaftliche Stärke fördern. Im Laufe der Zeit könnte sich dadurch die Kluft zwischen den Wachstumserwartungen für die USA und denen für den Rest der Welt verringern.

Europa und Japan: Auf dem Weg zu mehr Eigenständigkeit

Insbesondere Europa und Japan scheinen ihre Bemühungen zu verstärken, ihre Volkswirtschaften vor externen Schocks zu schützen. Nachdem sich diese Regionen jahrzehntelang auf die Auslandsnachfrage, importierte Energie und den von den USA gespannten Sicherheitsschirm verlassen haben, stellen sie nun die Nachhaltigkeit dieses Modells infrage. Zum einen sind beide Nettoenergieimporteure und dürften ihre Bemühungen zur Verringerung der Abhängigkeit vom Import fossiler Brennstoffe verstärken. Zum anderen haben sich Europa und Japan in der Vergangenheit nicht nur auf den Sicherheitsschirm der USA, sondern auch auf US-Verteidigungstechnologie verlassen. Da nun mehr Unsicherheit über die künftige Unterstützung durch die USA herrscht, dürften die eigenen Verteidigungskapazitäten an Bedeutung gewinnen. Darüber hinaus sind beide Regionen als große Gewinner der Globalisierung traditionell stark exportorientiert. Da China nun jedoch Überkapazitäten exportiert und die USA Handelsbarrieren errichten, ist davon auszugehen, dass der Fokus verstärkt auf die Ankurbelung der Binnennachfrage und den Schutz lokaler Industrien gelegt wird, um externe Herausforderungen auszugleichen.

Unserer Ansicht nach könnten diese Kurswechsel sowohl in Europa als auch in Japan Gewinner und Verlierer hervorbringen und damit möglicherweise das Spektrum an Anlagemöglichkeiten für aktive Fondsmanager erweitern. Zudem dürften europäische und japanische Aktien eine bessere Diversifizierung bieten, wenn sich ihre Einflussfaktoren zunehmend vom US-Konjunkturzyklus abkoppeln.

Unser Fazit: Zwei Wahrheiten – Die US-Sonderstellung ist nach wie vor intakt, verliert gleichzeitig aber an Bedeutung

Das Problem, mit dem sich Aktienanleger derzeit auseinandersetzen müssen, ist die Frage, wie sie sich in einem Umfeld verhalten sollen, in dem die US-Sonderstellung zwar nach wie vor intakt zu sein scheint, aber gleichzeitig nachlässt. Eine 80-jährige Geschichte der wirtschaftlichen, geopolitischen und militärischen Dominanz der USA – die die Vorrangstellung des Dollar gestärkt, die US-Finanzmärkte beflügelt und größtenteils zur globalen Stabilität beigetragen hat – wird derzeit infrage gestellt. Die meisten dieser Zusammenhänge haben zwar weiterhin Bestand, jedoch sehen sich die Welt und die USA zunehmend mit zahlreichen Turbulenzen konfrontiert: sich ausweitende regionale Konflikte, wirtschaftliche Instabilität und nachlassender politischer Zusammenhalt. Die Auswirkungen dieser zwiespältigen Entwicklung auf die Kapitalmärkte zeichnen sich allmählich ab, und Anleger müssen verstehen, was die beiden gleichzeitig geltenden Wahrheiten im Hinblick auf die US-Sonderstellung – dass sie einerseits weiterhin besteht, andererseits aber an Bedeutung verliert – für sie bedeuten könnten.

Da wir davon ausgehen, dass die Sonderstellung der USA vorerst weitgehend intakt bleibt, sollten Anleger unseres Erachtens weiterhin in US-Aktien investiert bleiben, aber möglicherweise eine Diversifizierung ihres Engagements in Betracht ziehen. Gleichzeitig sollten sie sich auch darauf vorbereiten, möglicherweise niedrigere risikobereinigte Erträge akzeptieren zu müssen – sowohl verglichen mit dem Niveau der letzten 15 Jahre als auch im Vergleich zum Rest der Welt, insbesondere angesichts der hohen Ausgangsbewertungen. Da die US-Sonderstellung gleichzeitig nachlässt, sind wir außerdem der Ansicht, dass Anleger als Gegengewicht zu ihren US-Anlagen die Gewichtung von Märkten außerhalb der USA erhöhen sollten. Dies kann sowohl zu einer besseren Diversifizierung beitragen als auch das Potenzial für höhere risikobereinigte Erträge steigern.

Die zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind diejenigen der Autoren zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Dokuments. Andere Teams können andere Ansichten vertreten und andere Anlageentscheidungen treffen. Der Wert einer Anlage kann gegenüber dem Zeitpunkt der ursprünglichen Investition steigen oder sinken. Von externen Anbietern stammende Daten werden zwar als verlässlich erachtet, doch gibt es keine Garantie für ihre Richtigkeit. Nur für professionelle, institutionelle oder zugelassene Anleger.

Experten

Andrew Heiskell

Andrew Heiskell

Equity Strategist
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Nicolas Wylenzek

Macro Strategist

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