Welche Rolle spielen Secondaries im Venture- und Growth-Bereich des Private-Equity-Marktes?

•
5 Min. Lesezeit
2027-04-30
Archiviert info
Archivierte Inhalte sind weiterhin auf der Website verfügbar. Bitte beachten Sie das Datum der Veröffentlichung, wenn Sie diese älteren Inhalte lesen.
Mehrere Autoren
mountain tree river

Kernaussagen

  • Secondaries könnten für zusätzliche Liquidität im VC- und Growth-Segment sorgen.
  • VC/Growth-Fonds sind heute offener für Sekundärmarktinvestitionen (auch Secondaries genannt) als in der Vergangenheit, was das Spektrum an Anlagemöglichkeiten erweitert.
  • Unseres Erachtens sind Reputation und Zugang zu unternehmensspezifischen Informationen gute Anhaltspunkte für die Erfolgschancen von Käufern am Sekundärmarkt.

Das Venture-Capital (VC)- und Growth-Ökosystem des Private-Equity-Marktes durchlief nach der Boomphase des Marktes im Jahr 2021 eine Phase anhaltender Liquiditätsknappheit.1 Dies hatte einen stark dämpfenden Effekt auf die Exit-Aktivitäten (über Börsengänge oder Fusionen und Übernahmen nicht börsennotierter Unternehmen), was viele Private-Equity-Investoren mit Liquiditätsbedarf vor Probleme stellte.

Vor diesem Hintergrund waren bei Limited Partnern (LPs), General Partnern (GPs), Gründern und Mitarbeitern zunehmend alternative Liquiditätslösungen gefragt. Eine solche Alternativoption sind Private-Equity-Secondaries, bei denen die Beteiligung von einem Private-Equity-Investor auf einen anderen übertragen wird.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Secondaries im Venture- und Growth-Segment

In der Vergangenheit spielten Secondaries im VC- und Growth-Segment verglichen mit dem Buyout-Bereich nur eine untergeordnete Rolle. Heute sieht dies jedoch anders aus. Secondaries haben im VC- und Wachstumssegment in letzter Zeit stark an Bedeutung gewonnen.2 Für diese Entwicklung gibt es mehrere Gründe:

Marktgröße
In der Vergangenheit war der Buyout-Markt wesentlich größer als der VC-/Growth-Markt, sodass sich leichter ein Sekundärmarkt-Ökosystem entwickeln konnte.

Was hat sich verändert?
Die Anzahl an Fonds in der VC- und Growth-Phase ist in den letzten fünfzehn Jahren gestiegen3 und der Sekundärmarkt hat im Laufe der Zeit an Akzeptanz gewonnen. Secondaries eignen sich heute besser für den VC-Bereich als noch vor einigen Jahren.

Verfügbarkeit von Informationen
VC-Fonds waren in der Vergangenheit weniger transparent als ihre Pendants im Buyout-Segment, was Informationen zu ihren privaten Portfoliounternehmen wie Finanzkennzahlen, operative Eckdaten und Einblicke in die Unternehmensführung anbelangt. Auch für den Kreis potenzieller Investoren galten Restriktionen. Für Sekundärmarkt-Käufer waren diese Marktsegmente daher ein schwieriges Pflaster.

Was hat sich verändert?
Die Restriktionen wurden im Laufe der Zeit gelockert. Gleichzeitig haben Sekundärmarktinvestoren ihre Aktivitäten in diesem Bereich ausgeweitet, wodurch einige von ihnen einen besseren Zugang zu Informationen erhalten haben. Da nicht börsennotierte Unternehmen einen Reifungsprozess durchliefen und länger in privater Hand blieben, waren bestimmte Beteiligungen häufiger und mit einem höheren Gewichtungsanteil in verschiedenen Portfolios vertreten, sodass Anleger Portfolios auf Basis einer Bottom-up-Analyse der einzelnen Beteiligungen besser beurteilen konnten.

Liquidität
Einige Jahre lang profitierten VC-Fonds und deren Investoren von Liquidität und Ausschüttungen infolge von Börsengängen.

Was hat sich verändert?
In letzter Zeit haben sich die IPO-Aktivitäten verlangsamt, was zu den oben angesprochenen Liquiditätsproblemen beitragen hat. Da eine der zentralen Funktionen von Secondaries die Bereitstellung einer gewissen Liquidität ist, könnten sie sich heute besser für den VC-/Growth-Bereich eignen als in Zeiten einer regeren IPO-Aktivität.

LPs bildeten die Speerspitze der ersten Welle von VC/Growth-Secondaries. Treibende Kraft war dabei der LIquiditätsbedarf bei Investoren. Da aber mittlerweile auf breiterer Front erhöhter Liquiditätsbedarf besteht, Beteiligungen länger gehalten werden und mehr Kapital verfügbar ist, stehen auch GPs Secondaries mittlerweile aufgeschlossener gegenüber. So sind GP-geführte VC/Growth-Secondaries im Jahr 2025 auf ein Volumen von rund 12 Milliarden US-Dollar angewachsen. Dies entspricht einem Anstieg um mehr als 40% im Vorjahresvergleich.4

Abbildung 1

Renditedifferenz

Quelle: 2025 Secondary Market Report, 2026. Die in der Vergangenheit erzielten Ergebnisse sind nicht zwangsläufig ein Indikator für die zukünftige Entwicklung und die tatsächlichen Ergebnisse können sich von zukunftsgerichteten Schätzungen unterscheiden.

Wir sehen bedeutsames Potenzial für VC/Growth-Secondaries. Da wir uns noch in der Anfangsphase von Secondaries in diesem Bereich befinden, ist das Angebot an Anlagekapital speziell für Secondaries begrenzt. Außerdem sorgt das noch relativ kleine Universum an Sekundärmarkt-Käufern im VC/Growth-Bereich für ein strukturell niedrigeres Preisniveau im Vergleich zu Secondaries in den Segmenten Buyout, Infrastruktur oder Private Credit.

Parallel zu dieser Entwicklung haben auch direkte Secondaries in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Dabei handelt es sich um Transaktionen, bei denen ein Investor anstelle von Fondsanteilen Direktbeteiligungen an einzelnen Unternehmen von anderen Investoren, Mitarbeitern oder Gründern erwirbt. Diese Wachstumsentwicklung ist Spiegelbild des Trends, dass Unternehmen länger in privater Hand bleiben.

Da Unternehmen mittlerweile mehre Jahre länger mit dem Börsengang warten als früher, müssen Mitarbeiter privater Unternehmen, die Unternehmensanteile halten, länger auf eine Möglichkeit zur Liquiditätsrealisierung warten. Früher standen Unternehmen dem Verkauf von Unternehmensanteilen durch Mitarbeiter eher ablehnend gegenüber. Da Unternehmen heute jedoch tendenziell länger in privater Hand bleiben, unterstützen oder initiieren viele von ihnen aktiv Sekundärmarktprogramme, die Mitarbeitern Liquidität ermöglichen. Dabei reicht das Spektrum von Transaktionen auf Initiative einzelner Mitarbeiter bis zu großen Tender-Offer-Fonds (einer Form von registrierten geschlossenen Fonds) unter Federführung des Unternehmens. Diese Liquiditätslösungen könnten sich auch für Early-Stage-Investoren anbieten, die aufgrund längerer Haltedauern mit ähnlichen Liquiditätsproblemen konfrontiert sein können.

Welche Rolle VC- und Growth-Secondaries in Portfolios spielen können

Der Hauptnutzen von VC- und Growth-Secondaries ist derselbe wie an anderen Märkten: das Liquiditätspotenzial für LPs. Ein weiterer potenzieller Vorteil besteht darin, dass Anleger ihre Portfolios neu ausrichten und den Schwerpunkt auf ihre bevorzugten Manager legen können, indem sie Beteiligungen an weniger priorisierten Managern über den Sekundärmarkt veräußern. Gerade heutzutage, wo es an den Märkten reichlich Kapital, aber nur begrenzte Exit-Möglichkeiten gibt, ist dies ein besonderer Pluspunkt.

Für Investoren und GPs können VC- und Growth-Secondaries auch einen zusätzlichen Zugang zum innovationsorientierten Private-Equity-Segment bieten. Im Vergleich zu primären VC-Zusagen können Secondaries Anlegern Zugang zu Unternehmen eröffnen, die sich schon in einem späteren Stadium ihrer Entwicklung befinden, mit greifbareren Daten zur Geschäftsentwicklung, einer klareren Marktpositionierung und in manchen Fällen auch einer kürzeren Zeitspanne bis zu einem Exit und damit einer früheren Aussicht auf Liquidität. Dadurch lassen sich einige der mit primären VC-Investments verbundenen Frühphasenrisiken reduzieren, während Anleger gleichzeitig an Wachstumsunternehmen partizipieren können, die länger in privater Hand bleiben.

Zudem können die Einstiegspreise Abschläge gegenüber dem Nettoinventarwert (NAV) widerspiegeln, insbesondere in Phasen eingeschränkter Liquidität. Fazit: VC- und Growth-Secondaries können verschiedene Funktionen in einem Portfolio erfüllen, wie die Diversifizierung des VC-Engagements über verschiedene Fondsjahrgänge (Vintages), Zugang zu reiferen privaten Innovationsunternehmen oder als Ergänzung zu Primärinvestitionen durch eine potenziell selektivere Einstiegsmöglichkeit auf Basis einer besseren Informationslage.

Was zeichnet Secondaries-Käufer im VC- und Growth-Segment aus?

Angesichts der rasanten Entwicklung des VC- und Growth-Marktes ist eine Analyse der potenziellen Erfolgsfaktoren an diesem Wachstumsmarkt aus unserer Sicht unerlässlich. Unserer Ansicht nach sind der Zugang zu Transaktionen und die Fähigkeit zur fundierten Prüfung im Private-Equity-Sekundärmarkt eng miteinander verknüpft. Da die Eigentumsverhältnisse häufig fragmentiert sind und private Unternehmen nur begrenzt Informationen offenlegen, hängt die Fähigkeit zur Beurteilung von Anlagechancen nicht nur davon ab, Zugang zu Transaktionen zu erhalten, sondern auch davon, ausreichenden Zugang zu Unternehmens- und Portfolioinformationen zu haben, um diese fundiert prüfen und bewerten zu können. Netzwerke, Beziehungen und Reputation sind damit wichtige Wettbewerbsvorteile, insbesondere wenn Unternehmen und GPs bei der Aufnahme neuer Investoren in ihren Gesellschafterkreis selektiv vorgehen.

Zugang ist jedoch nicht der einzige Erfolgsfaktor. Wer in diesem Marktsegment erfolgreich sein will, muss auch in der Lage sein, jedes einzelne Unternehmen eingehend auf Herz und Nieren zu prüfen, und u.a. operative Fundamentaldaten, Wettbewerbsposition, Finanzbedarf und wahrscheinliche Exit-Kanäle zu analysieren. Unserer Ansicht nach sind diejenigen Käufer am Sekundärmarkt am besten positioniert, die vertrauensbasierten Zugang mit der Expertise für Direktinvestitionen verbinden, die erforderlich ist, um Venture- und Growth-Unternehmen unabhängig und fundiert zu beurteilen. Nicht minder wichtig ist dabei der Aspekt, dass Unternehmen und GPs oft Sekundärmarktinvestoren favorisieren, die als konstruktive, langfristige Partner Glaubwürdigkeit mitbringen, zur Stabilität des Gesellschafterkreises beitragen und die Unternehmen auf ihrem Wachstumskurs begleiten können.

1PitchBook Data, Inc., „NVCA Venture Monitor“, Daten vom 1. Januar 2015 bis 30. September 2025. | 2PitchBook Data, Inc., „US VC and Buyout Secondary deal count", Daten vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2025. | 3PitchBook Data, Inc., „US Venture Capital fund formations“, Daten vom 1. Januar 2010 bis 31. Dezember 2025. | 42025 Secondary Market Report, UBS, 2026.

Die zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind diejenigen der Autoren zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Dokuments. Andere Teams können andere Ansichten vertreten und andere Anlageentscheidungen treffen. Der Wert einer Anlage kann gegenüber dem Zeitpunkt der ursprünglichen Investition steigen oder sinken. Von externen Anbietern stammende Daten werden zwar als verlässlich erachtet, doch gibt es keine Garantie für ihre Richtigkeit. Nur für professionelle, institutionelle oder zugelassene Anleger.

Experten

alex-behm-9186-316
Head of Secondaries, Venture Growth Evergreen, Private Investments

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den neusten Markteinblicken und Einschätzungen.

Lesen Sie mehr von unseren Experten