Anlageperspektiven

US-Zwischenwahlen: Die möglichen Folgen für die Märkte

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3 Min. Lesezeit
2027-10-20
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Kernaussagen

  • Geteilte Mehrheitsverhältnisse bleiben das wahrscheinlichste Ergebnis und könnten für mehr Klarheit über den künftigen politischen Kurs sorgen. Sollten die Demokraten die Mehrheit im Kongress gewinnen, während die Regierungsführung weiterhin bei den Republikanern liegt, könnten weniger weitreichende Gesetzesänderungen für ein stabileres politisches Umfeld für die strategische Asset-Allokation und die langfristige Finanzplanung sorgen.
  • Ein gesetzgeberischer Stillstand könnte eine weitere Expansion der Fiskalpolitik begrenzen, was Folgen für Wachstum und Zinsen hätte. Begrenztere Staatsausgaben könnten den Aufwärtsdruck auf die Renditen von US-Staatsanleihen und die Inflation verringern, gleichzeitig aber auch die Bedingungen für Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinne verschlechtern.
  • Der Ausgang der Wahl könnte Aufschluss über längerfristige Chancen und Risiken geben. Veränderte Prioritäten der Wähler könnten die Aussichten für das Gesundheitswesen, die Infrastruktur, die Verteidigung, den Verbraucherschutz und die KI-Regulierung beeinflussen und damit an den öffentlichen und privaten Märkten neue Chancen und Risiken schaffen.
  • Globale Anleger sollten die breiteren Auswirkungen auf die Asset-Allokation im Blick behalten. Veränderungen bei der US-Fiskalpolitik, den Zinsen, der Inflation und Regulierungsvorschriften könnten sich auf die Devisenmärkte, globale Kapitalströme und die Attraktivität von US-Anlagen gegenüber Nicht-US-Anlagen auswirken.

Im Vorfeld der US-Kongresswahlen zeichnet sich in den Umfragen zunehmend ab, dass die Demokraten vermutlich die Mehrheit in mindestens einer der beiden Kongresskammern gewinnen werden. In der Vergangenheit waren größere politische Kurswechsel selten, wenn unterschiedliche Parteien die Legislative und die Exekutive kontrollierten, und die Märkte reagierten darauf häufig positiv.

Dies bedeutet nicht, dass US-Anleger und globale Anleger keinen Grund hätten, die bevorstehende Wahl genau zu verfolgen. Seit der Coronapandemie hat die US-Fiskalpolitik für die Märkte zunehmend an Bedeutung gewonnen, sodass jede Wahl für Anleger relevant ist.

Darüber hinaus könnten die diesjährigen Zwischenwahlen wichtige Anhaltspunkte für die längerfristige Ausrichtung der US-Politik zu so unterschiedlichen Bereichen wie Zinsen und Inflation bis hin zu künstlicher Intelligenz liefern. Diese Erkenntnisse könnten Anlegern dabei helfen, neue Anlagechancen in einem sich verändernden Umfeld zu identifizieren.

Geteilte Mehrheiten oder Durchmarsch der Demokraten?

Es ist möglich, dass die Republikaner ihre Mehrheit im Senat behalten, während die Demokraten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus erlangen. Dies würde neues Gesetzesvorhaben erschweren und könnte die Möglichkeiten für eine parlamentarische Kontrolle des Präsidenten stärken. Bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus gelten rund 29 Sitze als hart umkämpft oder völlig offen. Bereits eine Verschiebung von etwa vier bis fünf Sitzen könnte zu einem Mehrheitswechsel führen.

In jüngster Zeit ist auch die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass die Demokraten nicht nur im Repräsentantenhaus, sondern auch im Senat die Mehrheit gewinnen könnten. Eine Mehrheit der Demokraten in beiden Kongresskammern könnte dazu führen, dass Themen wie Gesundheitsversorgung, Bezahlbarkeit, Verbraucherschutz und andere Wahlkampfthemen der Demokraten stärker in den Fokus rücken.

Sollte einem republikanischen Präsidenten ein gespaltener oder von den Demokraten kontrollierter Kongress gegenüberstehen, dürfte der daraus resultierende politische Stillstand den Spielraum für zusätzliche Staatsausgaben begrenzen. Es könnte in diesem Fall weniger Aufwärtsdruck für die Renditen von US-Staatsanleihen bestehen, allerdings wäre das Umfeld dann vielleicht auch weniger günstig für Wirtschaftswachstum.

Die Aussicht auf einen ab Januar gespaltenen oder von den Demokraten kontrollierten Kongress könnte die Republikaner dazu bewegen, noch möglichst viele ihrer politischen Vorhaben vor dem Jahresende durchzusetzen. Dazu könnten höhere Verteidigungsausgaben in Zusammenhang mit dem Irankrieg, zusätzliche Mittel für die Landwirtschaft und Änderungen bei den Infrastrukturausgaben gehören. Zusammengenommen könnten diese Maßnahmen ein Paket zusätzlicher Staatsausgaben im Umfang von bis zu 0,5% des BIP ergeben.

Unabhängig vom Wahlausgang wird Präsident Trump aber auch weiterhin in der Lage sein, in Bereichen wie Handel, Regulierung und Außenpolitik exekutive Maßnahmen zu ergreifen.

Die Staatsverschuldung bleibt ein Thema

Politiker beider Parteien konzentrieren sich im Wahlkampf stärker auf Sorgen über die Inflation und Wirtschaft als auf die wachsende Staatsverschuldung. Allerdings muss die Staatsschuldengrenze nächstes Jahr wieder angehoben werden. Wie dies abläuft, könnte Auswirkungen auf die Märkte und möglicherweise auch auf die Bonität der US-Regierung haben.

Die Anleger werden genau beobachten, ob die Republikaner versuchen, die Schuldenobergrenze noch vor dem Jahresende anzuheben, oder ob die Demokraten das Thema nächstes Jahr als Druckmittel bei Verhandlungen nutzen können, sollten sie bei den Zwischenwahlen die Mehrheit in beiden Kammern gewinnen.

Zwar greifen Kandidaten beider Parteien die Sorgen der Wähler über die Inflation und hohe Lebenshaltungskosten auf, der Wahlausgang könnte jedoch letzten Endes nur einen geringen Einfluss auf die Preisentwicklung haben. Das liegt daran, dass der aktuelle Inflationsschub teilweise auf Energieversorgungsengpässe infolge des Kriegs im Nahen Osten zurückzuführen ist. Anders als bei einer nachfragebedingten Inflation kann die US-Notenbank einer angebotsbedingten Inflation nur begrenzt entgegenwirken. Daher dürfte das Thema Bezahlbarkeit unabhängig von den Mehrheitsverhältnissen im Kongress eine anhaltende Herausforderung für Politik und Verbraucher darstellen.

Kommt eine Regulierung von KI?

Die Anlegererwartungen zu der Zukunft der künstlichen Intelligenz sind inzwischen ein wichtiger Einflussfaktor für die Entwicklung der Aktien- und Anleihenmärkte. Die Wähler machen sich jedoch zunehmend Sorgen über die möglichen Auswirkungen von KI auf verschiedene Bereiche ihres Lebens, und die Politiker haben im Wahlkampf mit Forderungen nach einer stärkeren Regulierung einer Branche reagiert, die sich bislang weitgehend selbst reguliert hat. Die Trump-Regierung steht einer Regulierung von KI zwar weitgehend ablehnend gegenüber, der Ausgang der Wahl könnte aber die Weichen für eine künftige Regulierung stellen. Hier sind einige plausible Szenarien:

  • Falls die Demokraten nach den Wahlen beide Kammern des Kongress kontrollieren, könnten Rechenzentren und andere KI-bezogene Entwicklungen stärker unter die Lupe genommen werden, besonders aufgrund von Bedenken über Bezahlbarkeit und Sicherheit.
  • Ein Sicherheitsvorfall oder anderes Ereignis könnten eine verstärkte Regulierung vorantreiben.
  • Ohne einen unmittelbaren Auslöser könnte KI-Regulierung bei der Präsidentschaftswahl 2028 zum Wahlkampfthema werden und 2029 möglicherweise parteiübergreifende Unterstützung finden.
  • Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit könnten für einen weniger strengen Regulierungsansatz sprechen, da politische Entscheidungsträger KI als strategische Infrastruktur ansehen und befürchten, dass mehr Regulierung die Innovationskraft im Wettstreit mit China bremsen könnte.

Warum dies für globale Anleger von Belang ist

Anleger außerhalb der USA sollten im Auge behalten, ob der Kongress zum Jahresende noch ein Ausgabenpaket verabschiedet, da die potenziellen Auswirkungen auf das US-Wirtschaftswachstum, die Zinsen und die Inflation auch für die Asset-Allokation relevant sein könnten. Ohne ein solches Ausgabenpaket zum Jahresende könnten die USA im nächsten Jahr eine fiskalische Straffung um 0,5% verzeichnen. Dies wäre ein deutlicher Kurswechsel gegenüber der Zeit nach der Coronapandemie.

Anleger sollten auch beobachten, wie sich die zunehmenden Spannungen zwischen dem moderaten und dem progressiven Flügel der Demokratischen Partei am Wahltag darstellen. Die Ergebnisse könnten Aufschluss darüber geben, ob im Wahlkampf 2028 Sozialausgaben und eine Reform des Gesundheitswesens im Mittelpunkt stehen werden oder ob sich bei der Steuerpolitik eine größere Kompromissbereitschaft abzeichnet.

Weitere Einblicke bietet der diesbezügliche Podcast:

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