Deutschland (Germany), Professionelle Anleger

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Verlustrisiken verringern mit Anlagen in Infrastruktur-Aktien

Der Corona-Schock sitzt bei vielen Anlegern tief: Im März 2020 rauschten die Börsen in die Tiefe. Auch gegenwärtig sind die Schwankungen beträchtlich. Können Anlagen in Firmen aus dem Bereich Infrastruktur helfen, solche Verlustrisiken zu begrenzen? Fondsmanager Tom Levering und Investment Director Ken Baumgartner haben eine klare Meinung dazu.

Anleger sollten sich auf ein schwierigeres Marktumfeld einstellen. Die wirtschaftliche Erholung verlangsamt sich, und die Inflation setzt sich fest. Auch die politische Großwetterlage ist wolkenverhangen – Stichwort Ukraine. Zudem werden sich die Märkte an eine nachlassende Unterstützung seitens der Geldpolitik gewöhnen müssen: Die Zentralbanken packen derzeit die schwierige Aufgabe einer Erhöhung des Zinsniveaus an.

Anlagen in Infrastruktur: defensives Element im Portfolio

Zusammengenommen ist das eine durchaus brisanter Mix möglicher Risiken. Das könnte für eine defensivere Ausrichtung von Portfolios sprechen. Doch wie könnten Anleger dabei vorgehen?

Ein Ausgangspunkt könnte in vielen Fällen eine stärkere Diversifizierung sein. Damit ließe sich etwa eine mögliche Abhängigkeit von wachstumsstarken Technologiewerten verringern. Der beste Weg für die Stärkung der „Defensive“ hängt natürlich vom jeweiligen Portfolio ab. Börsennotierte Titel aus dem Bereich Infrastruktur halten wir jedoch für einen beachtenswerten Ansatz.

Infrastruktur ist ein defensives Anlagesegment

An den weltweiten Börsen sind viele Unternehmen aus dem Bereich Infrastruktur vertreten. Viele davon haben unseres Erachtens nach das Potenzial für ein beständiges Wachstum. Denn sie besitzen langlebige, „echte“ Vermögenswerte. Ohne ihre „Enduring Assets“ könnten moderne Gesellschaften praktisch nicht existieren. Eine Welt ohne funktionierende Stromnetze, Gaspipelines, Telekommunikation oder Datennetze? Eine Wirtschaft ohne leistungsfähige Flughäfen, Straßen und Bahnlinien? Das ist nicht vorstellbar.

Angesichts ihrer Bedeutung sind viele dieser Unternehmen eine Quelle langfristig stabiler und regelmäßiger Einkünfte. Viele haben eine jahrzehntelang gewachsene, starke Position im Wettbewerb. So können sie steigende Preise an ihre Kunden weitergeben. Oft ist dies durch gesetzliche Regelungen oder Verträge untermauert; in vielen Fällen besteht zumindest teilweise eine Bindung an die Entwicklung der Inflation.

Langfristige Trends helfen Firmen aus dem Bereich Infrastruktur

Oft stützen sehr langlebige Trends diese defensiven Merkmale – etwa die Energiewende oder die Datenrevolution. Das bedeutet Rückenwind für die langfristigen Wachstumsaussichten dieser Unternehmen. Natürlich ist die Vergangenheit kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Doch haben die meisten dieser „Enduring Assets“ in volatilen Phasen eine gewisse Widerstandsfähigkeit bewiesen. Ihre Bewertungen sind bislang vergleichsweise niedriger als am breiteren Markt. Dies legt nahe, dass sie auch bei künftigen Marktschwankungen etwas weniger anfällig sein könnten.

Aktives Management kann ein Schlüssel sein

Ein erfahrener aktiver Manager kann darauf zielen, Portfolios noch etwas robuster zu machen. Er kann beispielsweise Unternehmen mit zu hoher Verschuldung meiden. Auch ein zu starker Fokus auf Dividenden kann Gefahren bergen – gerade bei steigenden Zinsen. Zudem können versteckte Risiken die Schwankungen begünstigen. Einige Unternehmen aus dem Bereich Infrastruktur etwa hängen sehr stark von bestimmte Rohstoffe ab. Andere Firmen werden stärker vom Konjunkturzyklus beeinflusst.

Hinzu kommt ein weiterer Trend: die Verringerung von CO2-Emissionen. Diese Entwicklung nimmt zwar insgesamt Fahrt auf. Doch nicht alle Firmen sind auf diesem Weg gleich weit vorangekommen. Darum kommt es auf detaillierte Analysen an: Wo steht ein Unternehmen in zentralen ESG-Fragen? Wie gut ist es auf eine klimaneutrale Zukunft vorbereitet? Die Antworten helfen zu bewerten, ob ein Infrastrukturtitel wirklich „defensiv“ ist.

An anderer Stelle sind wir bereits auf einen weiteren Aspekt eingegangen: Viele Unternehmen mit solchen „Enduring Assets“ haben beste Voraussetzungen, um von der Energiewende zu profitieren. Das gilt auch für einige Firmen, die momentan Nachzügler zu sein scheinen. Sie könnten mittelfristig deutlich schneller Fortschritte machen als vom Markt erwartet. Hier kann das Wissen eines aktiven Managers wertvoll sein. Er verfügt über tiefe fundamentale Analysen der Unternehmen und Sektoren. Diese Einblicke können es unter Umständen ermöglichen, auf einer besseren Basis zu entscheiden. Das gilt besonders dann, wenn ein intensiver Dialog mit den Firmenlenkern diese Analysen ergänzt.

Fazit: Infrastruktur als „stabilisierende“ Anlageidee

Börsennotierte Unternehmen aus dem Bereich Infrastruktur können eine defensive Ergänzung für Portfolios sein. Sie stellen beispielsweise ein Gegengewicht zu wachstumsorientierten Tech-Titeln dar. Unternehmen mit „Enduring Assets“ verfügen oft über regelmäßige Einkünfte und robuste Wachstumsaussichten. Das spricht für eine stabilere Entwicklung als bei anderen Marktsegmenten. Zudem kann es einen gewissen Schutz vor Verlusten bei schwankenden Märkten bieten. Dafür sind jedoch sorgfältige Analysen erforderlich – denn auch bei der Infrastruktur gibt es anfällige Unternehmen. Und welcher Anleger möchte solche Wackelkandidaten nicht gerne meiden?