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ANLAGEPERSPEKTIVEN

Unruhe im Qualitätssegment: Was ist passiert und wie geht es weiter?

4 Min. Lesezeit
2028-02-27
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Flying with drone above the tulip fields in the North Holland, creating colorful variety of tones and geometric shapes seen from above, the tulips is a famous place that tourists visit during April and the beginning of May. Netherlands.
Andrew Heiskell, Equity Strategist
Flying with drone above the tulip fields in the North Holland, creating colorful variety of tones and geometric shapes seen from above, the tulips is a famous place that tourists visit during April and the beginning of May. Netherlands.
Philip A Brooks, CFA, Investment Director
Flying with drone above the tulip fields in the North Holland, creating colorful variety of tones and geometric shapes seen from above, the tulips is a famous place that tourists visit during April and the beginning of May. Netherlands.

Kernaussagen

  • Qualitätswerte haben seit 2021 eine schwächere Performance gezeigt, was sich 2025 nach den Tiefständen vom 8. April noch verschärft hat.
  • Die vergangenen Jahre waren eine Herausforderung für das Qualitätssegment, was allerdings erklärbar ist. Ein überfülltes Marktsegment, eine Markterholung und eine sich verändernde Marktdynamik schufen ein Umfeld, das eine besonders gute Entwicklung von Qualitätswerten erschwerte.
  • Trotz der jüngsten Schwächephase ist die langfristige Bilanz von Qualitätswerten intakt. Die Geschichte zeigt, dass in Zeiten erhöhter Unsicherheit die Stärken des Qualitätssegments besonders zum Tragen kommen

Das Qualitätssegment ist seit langem ein Grundpfeiler von Aktienallokationen. Qualitätsunternehmen – in der Regel definiert als solche mit hohen Free Cashflows, hohen Eigenkapitalrenditen, niedriger Verschuldung und stabilen Gewinnen – sind über einen vollständigen Zyklus normalerweise die Marktführer. Sie können sich in der Regel in Phasen mit erhöhter Volatilität gut behaupten, und haben am Aktienmarkt auf lange Sicht sowohl in den USA als auch global eine Outperformance gezeigt. 

Seit 2021 haben Qualitätswerte aber eine schwächere Performance verzeichnet, was sich 2025 nach den Markttiefs am 8. April noch verschärft hat. 

Was ist 2025 im Qualitätssegment schiefgelaufen? 

Dieser Bereich hat zwar seit 2021 mit Herausforderungen zu kämpfen, 2025 wurde die deutliche Underperformance aber durch verschiedene Faktoren getrieben:

  • Anhaltende Unsicherheit trieb die Anleger in Scharen in Qualitätswerte
    Der Zeitraum zwischen der Pandemie 2020 und dem 9. April 2025 war durch Rezessionsängste und eine anhaltende Diskussion darüber, ob sich die Weltwirtschaft in der Mitte oder Spätphase des Zyklus befindet, gekennzeichnet. Während dieser langen Phase extremer Ungewissheit boten sich Qualitätswerte aufgrund ihres Rufs als „sicherer Hafen“ für eine Allokation an. Hierdurch waren aber viele Anleger im Qualitätssegment übergewichtet, was sich auch daran zeigte, dass die Bewertung des Qualitätsfaktors Anfang 2025 ein Allzeithoch erreichte. Dieser Überhang wurde spürbar, als Qualitätswerte eine Underperformance zeigten.
  • Mit der Zykluswende fielen Qualitätswerte in Ungnade
    Ob zu Recht oder Unrecht, nach Ansicht der Märkte markierte der 8. April ein Zyklustief im globalen Konjunkturzyklus. Seitdem haben die Aktienmärkte eine Erholung gezeigt. Dieses frühe Zyklusstadium hat aber zyklisch ausgerichtete Aktien wie solche mit hohem Beta, niedriger Qualität und – in jüngerer Zeit – mit kleiner Marktkapitalisierung begünstigt. Titel mit hoher Qualität zeigen in der Regel die beste Entwicklung in einem unsicheren Markt- und Konjunkturumfeld, nicht während der Anfangsphase einer Markterholung.

    Mit dem Marktaufschwung im Zuge einer ganzen Reihe von Deregulierungsmaßnahmen sowie geld- und fiskalpolitischer Unterstützung zogen die Anleger Kapital aus dem Qualitätssegment ab, was eine deutliche Underperformance zur Folge hatte. 
  • Verstärkung dieser Trends durch eine sich verändernde Aktienmarktdynamik
    Die Ankündigung von Konjunkturpaketen in den USA, Europa und Japan und eine Zunahme der Beteiligung von Privatanlegern sowie eines spekulativen Anlageverhaltens verstärkten diese Rotation noch. Dies war ein Umfeld, in dem Privatanleger – oftmals mit Erfolg – schnell reagierten, um von sich bietenden Anlagechancen zu profitieren. Aktien mit hohem Beta fingen an, sich wie Momentum-Titel zu verhalten, Privatanleger waren zunehmend für die Marktstimmung verantwortlich und das positive Umfeld für Qualitätswerte fand ein klares Ende. Ein Beispiel: Eine Präferenz für schwankungsanfälligere, finanziell weniger robuste Unternehmen war 2025 für die deutliche Outperformance von unprofitablen Technologiewerten gegenüber dem S&P 500 verantwortlich. Ein ähnliches Phänomen prägte die Marktentwicklung Ende 2020 und Anfang 2021 und brachte die sogenannten „Meme“-Aktien hervor, die mit einer Stabilisierung der Marktbedingungen eine Underperformance zeigten. 
  • Doppelte Belastung für die relative Performance
    Anleger mit einer Übergewichtung von Aktien mit hoher Qualität sind normalerweise bei Titeln mit niedriger Qualität untergewichtet. Ein Jahr, in dem Titel mit hoher Qualität eine Underperformance und Titel mit niedriger Qualität und hohem Beta eine Outperformance zeigten, wirkte sich besonders negativ auf die relative Performance aus.

Was jetzt? 

Nimmt man all diese Punkte zusammen, ergibt sich ein klares Bild bezüglich der Gründe für die Underperformance des Segments. Dies passt zu dem etablierten Muster, wie sich Qualitätswerte normalerweise über Marktzyklen hinweg entwickeln. In einem Marktabschwung zeigen Aktien mit hoher Qualität in der Regel eine gute Performance – so wie zu Beginn der Pandemie 2020 – und bei der anschließenden Erholung dann eine schwächere Entwicklung. Genau dies war zu beobachten, als die Märkte Ende 2020 und Anfang 2021 eine Erholung zeigten. Es gibt tatsächlich gewisse Ähnlichkeiten zwischen dem Umfeld 2025 und Anfang 2021: Beide folgten auf Zeiträume mit extrem hoher Unsicherheit und beide wurden durch eine hohe Beteiligung von Privatanlegern geprägt. 

Was bedeutet dies nun für Anleger? Vor einer Analyse der breiteren potenziellen Vorteile von Qualitätswerten innerhalb eines Portfolios ist es wichtig, sich ins Gedächtnis zu rufen, was sich nicht geändert hat: 

  • Die langfristige Bilanz von Qualitätswerten bleibt intakt
    Das Qualitätssegment hat auf lange Sicht sowohl in den USA als auch global konstant eine Outperformance gezeigt. Dies dürfte sich unseres Erachtens fortsetzen. 
  • Nach wie vor zahlreiche gute Gründe für eine Anlage in Qualitätsunternehmen
    Es gibt starke Argumente dafür, dass Unternehmen mit robusten Bilanzen, hohen Free Cashflows und Eigenkapitalrenditen und stabilen Gewinnen gut für die Zukunft aufgestellt sind, selbst wenn die Performance kurzfristig enttäuschend ausfällt. Der Qualitätsfaktor zeigt genau deshalb in der Regel eine Outperformance, weil Qualitätsunternehmen über Markt- und Konjunkturzyklen hinweg stabiles Wachstum und stabile Erträge generieren. Dadurch entsteht ein Ertragsprofil, bei dem die Upside Capture Ratio (also die Beteiligung an den Kursgewinnen in einem Marktaufschwung) höher als die Downside Capture Ratio (die Beteiligung an den Verlusten in einem Marktabschwung) sein sollte. 
  • Qualitätswerte zeigen in Phasen erhöhter Unsicherheit die beste Performance
    Die Stärke von Qualitätswerten ist in unsicheren Markt- und Konjunkturumfeldern am sichtbarsten. An den Märkten vollzieht sich zwar gerade eine zyklische Erholung, für deren Fortsetzung gibt es aber keine Garantie, besonders in einer schwankungsanfälligeren Welt mit weniger synchron verlaufenden Zyklen. Eine Allokation in Qualitätswerte sollte eine attraktive Kombination aus langfristig offensiven und kurzfristig defensiven Merkmalen liefern. Unternehmen mit niedriger Qualität und hohem Beta mögen dagegen zwar gerade populär sein, ihnen fehlen aber häufig die starken Fundamentaldaten, die bei einer Zykluswende für Widerstandsfähigkeit sorgen. 

Insgesamt waren die vergangenen Jahre also eine Herausforderung für Qualitätswerte, jedoch lässt sich diese Entwicklung durchaus erklären. Ein überlaufenes Marktsegment als Ausgangspunkt, eine Markterholung und eine sich verändernde Marktdynamik schufen ein Umfeld, das eine Outperformance von Qualitätswerten erschwerte. 

Dies untergräbt aber nicht zwangsläufig die Argumente für eine Anlage in Qualitätswerte. Die langfristige Bilanz bleibt intakt, die typischen Merkmale von Qualitätsunternehmen sind weiterhin wichtig und die Geschichte zeigt, dass die Stärken dieses Segments in Phasen erhöhter Unsicherheit besonders wertvoll sind.

Die zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind diejenigen der Autoren zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Dokuments. Andere Teams können andere Ansichten vertreten und andere Anlageentscheidungen treffen. Der Wert einer Anlage kann gegenüber dem Zeitpunkt der ursprünglichen Investition steigen oder sinken. Von externen Anbietern stammende Daten werden zwar als verlässlich erachtet, doch gibt es keine Garantie für ihre Richtigkeit. Nur für professionelle, institutionelle oder zugelassene Anleger. 

Experten

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Andrew Heiskell

Equity Strategist
Philip Brooks

Philip A Brooks

, CFA

Investment Director

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