Wir empfehlen in Bezug auf Aktien nur eine moderate Übergewichtung, was teilweise auf Vorsicht über niedrige Aktienrisikoprämien beruht, die eine Tendenz zu optimistischen Wirtschaftsszenarien widerspiegeln. Angesichts von Risiken rund um KI, momentumgetriebenen Erholungen und der Bewertungsniveaus rechnen wir mit einem bisweilen unbeständigen Marktumfeld.
Unseres Erachtens dürften japanische Aktien in den nächsten zwölf Monaten eine bessere Performance als andere Regionen zeigen. Starkes nominales Wachstum bietet Unterstützung, das geldpolitische Umfeld bleibt trotz voraussichtlicher Zinserhöhungen durch die Bank of Japan expansiv und die Realrenditen liegen im deutlich negativen Bereich. Die positive Wirkung fiskalpolitischer Stimulierungsmaßnahmen dürfte sich in naher Zukunft noch verstärken, was Sektoren mit Inlandsfokus zugutekommen sollte.
Wir rechnen auch mit einer Outperformance von US-Aktien, nicht nur auf Basis von Mega-Cap-Unternehmen und KI, sondern auch im Zuge einer breiteren Erholung der EPS-Kennzahlen. Selbst Small Caps verzeichnen positive Korrekturen der Gewinnprognosen, nach einem mehrjährigen Zyklus mit Negativkorrekturen. Wir halten nach Anzeichen Ausschau, dass das KI-Wachstum zu stark von Fremdfinanzierung abhängig ist. Die Fundamentaldaten sind aber im Hinblick auf Ausgaben, einschließlich KI-Nachfrage/Angebot, weiterhin robust, und die hohen Free-Cashflow-Margen liefern unserer Ansicht nach ein gutes Polster.
Mit Blick auf die höchsten Indexgewichtungen in den Emerging Markets sehen wir Südkorea und Taiwan positiv und würden dagegen in Bezug auf Indien und China mehr Vorsicht walten lassen. Das globale Umfeld (niedrigere US-Zinsen, ein schwächerer US-Dollar) ist zwar positiv, unsere mangelnde Überzeugung im Hinblick auf China und Indien macht es aber schwierig, die Anlageklasse insgesamt positiver zu beurteilen. Chinas Anti-Involutionskampagne beinhaltet eine Schwerpunktverlagerung von Produktionswachstum zu mehr Effizienz und damit Rentabilität. Dies dürfte aber einige Zeit in Anspruch nehmen, während der Markt einen stimmungs- und liquiditätsgetriebenen Anstieg verzeichnet hat, dem größtenteils keine Erholung der Gewinne oder makroökonomischen Bedingungen zugrunde lag.
Wir würden Europa (ohne das Vereinigte Königreich) und das Vereinigte Königreich leicht untergewichten. Der Konjunkturausblick für die Eurozone verbessert sich zwar, diese Entwicklung wird aber durch den Mangel an klaren Fortschritten bei Strukturreformen und den direkten Wettbewerb durch China bei wichtigen Gewinnquellen in Branchen wie Autos und saubere Technologie gebremst. Der Ausblick wird außerdem durch Unsicherheit bezüglich der Haushaltslage in Frankreich und anderen Ländern und mögliche Neuwahlen eingetrübt. Wir erwarten hier Gewinnwachstum im hohen einstelligen Bereich, wobei die Region die Konsensschätzungen immer wieder enttäuscht hat. Das Vereinigte Königreich ist nach wie vor der Markt mit den niedrigsten Gewinnerwartungen. Die dortige Wirtschaft leidet unter einem geringen Beitrag des Technologiesektors und politischer Unsicherheit, was sich auf Investitionen und Ausgaben auswirkt.
Rentenmarkt: Fokus auf Staatsanleihen anstelle von Unternehmensanleihen
Beim Vergleich von Unternehmensanleihen mit Staatsanleihen bevorzugen wir den „Carry“ bei Staatsanleihen mit höherer Qualität: Die Laufzeitprämien sind attraktiv, und steilere Renditekurven liefern Erträge durch den Roll-Down-Effekt.
Divergenz ist ein wichtiges Thema an den Staatsanleihemärkten, wo die Zyklen weniger stark an die US-Entwicklung gekoppelt sind. Tatsächlich stiegen die Zinsen für 10-jährige US-Papiere im bisherigen Jahresverlauf 2025 um ca. 40 Basispunkte (Bp.), während die Renditen in anderen Industriestaaten um 5-90 Bp. zurückgingen – eine ungewöhnlich starke Abweichung sowohl in Bezug auf die Richtung als auch den Umfang verglichen mit den letzten zehn Jahren. Ein weiteres Beispiel für diese Divergenz sind die Erwartungen zur Zentralbankpolitik: Der Markt preist für 2026 Zinssenkungen durch die Fed und Zinserhöhungen durch andere Zentralbanken der Industriestaaten ein. Diese Bedingungen sollten zahlreiche Relative-Value-Chancen bieten, was sich in unserer Übergewichtungsempfehlung für das Vereinigte Königreich und unserer Untergewichtungsempfehlung für die Eurozone und Japan in diesem Segment widerspiegelt.
Nach einer Übergewichtung von Credit-Anlagen in verschiedenen Sektoren im Jahr 2025 halten wir das Ertragsprofil des Gesamtmarkts nun für ausgeglichener und sind daher zu einer neutralen Einschätzung übergegangen. Das Umfeld bleibt positiv für Risikoanlagen, die Spreads sind aber extrem eng und bieten wenig Aufwärtspotenzial über den Carry hinaus. Der Technologiesektor verfügt insgesamt zwar unseres Erachtens über Spielraum für den Einsatz von Fremdkapital, wie bereits in dem Abschnitt zu Aktien erwähnt beobachten wir aber die wachsenden Finanzierungsaktivitäten für KI-Investitionen an den Credit-Märkten genau. Hier besteht ein Risiko, dass einige Technologieunternehmen eine Verschlechterung ihrer Bilanzen zulassen.
Rohstoffe: Wohin geht die Reise bei Öl und Gold?
Wir würden Öl untergewichten. Die Nachfrage sollte zwar über ausreichend Unterstützung verfügen, auch dank eines anhaltenden Lageraufbaus in China, das Angebot dürfte aber im ersten Quartal und im weiteren Jahresverlauf 2026 die Nachfrage übersteigen, da die Mitglieder der OPEC+ ihre Angebotskürzungen zurückfahren. Zu den Risiken für unsere Einschätzungen zählen militärische Interventionen in Venezuela (kurzfristiges Abwärtsrisiko für das Angebot) und ein Waffenstillstand in der Ukraine, der eine Aufhebung von Sanktionen gegen Russland zur Folge hätte (Aufwärtsrisiko für das Angebot).
Gold schätzen wir weiterhin neutral ein. Die Triebkräfte für die Nachfrage am Finanzmarkt bleiben intakt, u.a. Käufe der Zentralbanken und Nachfrage nach digitalen Vermögenswerten (Stablecoins). Spekulative Positionen (Futures) befinden sich wieder auf einem hohen Niveau, und die Kapitalströme bei börsengehandelten Produkten sind weiter positiv. Es bestehen auch nach wie vor strukturelle Faktoren, die der Nachfrage nach Gold zugutekommen, wie eine Verschlechterung der Haushaltslage von Staaten und Sorgen über die Unabhängigkeit von Zentralbanken. Die Bewertungen befinden sich allerdings auf extremen Niveaus und sind so hoch wie seit 1980 nicht mehr in Relation zum finanziellen Wohlstand.