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Neue Wege der Diversifizierung: Vier Ideen für eine Wirtschaft im Wandel

5 Min. Lesezeit
2027-03-31
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Adam Berger, CFA, Multi-Asset Strategist
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Kernaussagen

  • Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Politik können dazu führen, dass traditionelle Diversifizierungsstrategien ihre Wirksamkeit verlieren.
  • Multi-Strategie- und Long/Short-Aktienhedgefonds könnten zum Aufbau widerstandsfähigerer Portfolios beitragen.
  • Es könnte an der Zeit sein, Strategien zur Inflationsabsicherung in Betracht zu ziehen, die in Vermögenswerte wie Rohstoffe, Aktien aus dem Rohstoffsektor oder Infrastruktur investieren.
  • Außerdem könnte es sich lohnen, defensive Aktienstrategien und dynamischere Rentenansätze einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.

Das Jahrzehnt nach der weltweiten Finanzkrise von 2008 war für die Wirtschaft und die Märkte eine Zeit relativer Ruhe. Inzwischen ist klar, dass wir diese Phase hinter uns gelassen haben: Die politischen Entscheidungen der letzten Jahre und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen haben den Grundstein für eine unbeständigere Zukunft gelegt. Zudem tragen, wie wir diesen Monat im Nahen Osten beobachten konnten, zunehmende geopolitische Turbulenzen zur Volatilität bei.

Meiner Meinung nach deuten diese Veränderungen auf eine Zukunft hin, in der die traditionellen Regeln der Diversifizierung nicht mehr immer gelten werden. Anleger sollten sich darauf vorbereiten, indem sie Diversifizierung aus einer breiteren Perspektive betrachten und so widerstandsfähigere Portfolios aufbauen.

Was hat sich geändert und warum ist das wichtig?

In den letzten Jahren hat sich der Globalisierungstrend, der das 20. Jahrhundert geprägt hat, umgekehrt. Wir haben miterlebt, wie Handelsbarrieren errichtet und Lieferketten zerstört wurden. Dies wiederum hat zu einer größeren Streuung bei den politischen Maßnahmen der verschiedenen Länder – beispielsweise einer weniger koordinierten Zinspolitik und unterschiedlich starken haushaltspolitischen Anreizen – sowie bei ihren wirtschaftlichen Ergebnissen geführt.

Wie unser Team für Makroökonomie dargelegt hat, dürfte all dies insgesamt zu einer geringeren Stabilität des Konjunkturzyklus führen. Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich die Weltwirtschaft überwiegend in einem „Goldlöcken“-Umfeld bewegt, das durch positives Wachstum und niedrige Inflation gekennzeichnet war. In Zukunft könnte sich die Wirtschaft jedoch schneller zwischen den verschiedenen Phasen des Konjunkturzyklus bewegen, zu denen auch Phasen mit stärker inflationsbedingtem Wachstum und Rezessionen gehören.

Das Thema Inflation ist entscheidend: Die Anleger haben sich lange auf die negative Korrelation zwischen Aktien und Anleihen verlassen, um ihr Engagement zu diversifizieren (d.h., wenn sich Aktien schwer getan haben, haben Anleihen dabei geholfen, dies abzufedern). Eine höhere Inflation kann jedoch zu einer positiven Korrelation zwischen Aktien und Anleihen beitragen. In der Regel treibt sie die Zinsen nach oben und die Anleihekurse nach unten. Gleichzeitig belastet sie die Aktienbewertungen und setzt die Margen unter Druck.

Damit will ich nicht sagen, dass Anleihen niemals Schutz vor einem Einbruch der Aktienmärkte bieten werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies in Zukunft weniger verlässlich der Fall sein wird, ist aber ein wichtiger Grund, die aktuellen Portfolioallokationen zu überprüfen und nach neuen Diversifizierungsmöglichkeiten zu suchen.

Wo soll die Suche beginnen?

Anleger, die widerstandsfähigere Portfolios aufbauen möchten, sollten meiner Meinung nach vier Optionen in Betracht ziehen:

1. Hedgefonds
Die Erträge bestimmter Kategorien von Hedgefonds können unkorreliert zu traditionellen Anlagen sein. Das liegt unter anderem daran, dass diese Fonds eher auf aktives Risiko als auf Marktrisiko setzen. Dadurch sind sie potenziell eine attraktive „Allwetter“-Ergänzung für ein typisches Portfolio aus Aktien und Anleihen. Multi-Strategie-Fonds halten beispielsweise in der Regel nur ein geringes oder gar kein direktionales Engagement an den Aktienmärkten. Das kann dazu beitragen, sie vor starken Markteinbrüchen zu schützen. Diese Fonds kombinieren verschiedene Hedgefonds-Strategien, darunter Makro-, Long/Short-Aktien- und Long/Short-Anleihestrategien, um ein stabileres Risiko-Rendite-Profil zu erreichen. Sie können eine Vielzahl unabhängiger, spezialisierter Risikoträger umfassen, in unterschiedliche Anlageklassen investieren und systematische mit fundamentalen Anlageprozesse kombinieren. Durch den Einsatz verschiedener Strategien und die disziplinierte Steuerung ihres Gesamtrisikos bieten Multi-Strategie-Fonds die Möglichkeit, eine beträchtliche Diversifizierung auf Portfolioebene zu erreichen.

Angesichts der derzeit zu erwartenden erhöhten wirtschaftlichen und marktbezogenen Volatilität sollten Anleger meiner Meinung nach auch ein Engagement in Long/Short-Aktienhedgefonds in Erwägung ziehen, um ihr traditionelles Aktienengagement zu ergänzen. Diese Fonds halten zwar ein direktionales Aktienengagement, dieses ist in der Regel aber deutlich geringer als bei einer herkömmlichen „Long-only“-Aktienanlage. Sie bieten häufig ein dynamisches Engagement am Aktienmarkt, wodurch der Fondsmanager in der Lage ist, bei einer Verkaufswelle das Engagement zu reduzieren und so das Kapital zu schützen.

In unserem Artikel „Sind Hedgefonds die fehlende Zutat?” gehen meine Kollegen und ich näher auf diese Ideen ein.

2. Inflationsgeschützte Vermögenswerte
Als sich vor einigen Jahren das oben beschriebene neue Konjunkturumfeld abzuzeichnen begann, kehrte nach langer Zeit die Inflation wieder zurück. Dies traf viele Anleger unvorbereitet. Zwar haben die Zentralbanken bei der Eindämmung der Inflation einige Fortschritte erzielt, doch steht ihnen möglicherweise ein langwieriger Kampf bevor, da eine Vielzahl von Faktoren – darunter angespannte Arbeitsmärkte, steigende Staatsdefizite und zu geringe Investitionen in die Rohstoffproduktion – zu einem Aufwärtsdruck auf die Preise beitragen.

Angesichts der Tatsache, dass es sehr schwierig sein kann, die Inflation vorherzusagen – insbesondere vor dem Hintergrund der derzeitigen wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten –, halte ich den aktuellen Zeitpunkt für geeignet, um über die Aufnahme diversifizierender Vermögenswerte nachzudenken, die stärker auf eine sich verändernde bzw. steigende Inflation reagieren. Zu den Anlageklassen, die typischerweise in Strategieansätzen zur Inflationsabsicherung oder zur Anlage in Sachwerten zum Einsatz kommen, gehören Rohstoffe, Aktien aus dem Rohstoffsektor, inflationsgebundene Anleihen, Immobilien und Infrastrukturanlagen. In der Vergangenheit haben viele dieser Anlageklassen in Phasen, in denen Aktien und Anleihen gleichzeitig an Wert verloren haben (z.B. in Zeiten steigender Inflation), eine positive Wertentwicklung verzeichnet.

3. Defensive Aktien
Defensive Aktienstrategien, die in Unternehmen mit in der Regel stabilen Gewinnen und Dividenden investieren, können einem Portfolio zusätzliche Stabilität verleihen. Sie weisen häufig ein niedrigeres Aktien-Beta (Marktsensitivität) auf und können dazu beitragen, das Risiko bei Marktabschwüngen zu begrenzen. Allerdings hinken sie bei starken Marktaufschwüngen auch meist etwas hinterher. (Dabei ist darauf hinzuweisen, dass die Märkte in der Regel zwar häufiger steigen als fallen, viele defensive Strategien über einen gesamten Marktzyklus hinweg aber einen einen Wertzuwachs verzeichnen können. Der Vorteil, die Extremwerte von Markteinbrüchen abzufedern, kann sehr groß sein.)

In jüngster Zeit waren defensive Aktien nicht besonders gefragt, da sie sich in einem auf Wachstum und insbesondere auf den Technologiesektor fokussierten Markt unterdurchschnittlich entwickelt haben. Doch selbst wenn der Technologiesektor seine Führungsposition noch eine Weile behalten sollte, bin ich der Meinung, dass defensive Aktien eine wichtige Rolle in einem Portfolio spielen und langfristig eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erzielen könnten. Angesichts ihrer jüngsten Schwierigkeiten könnte dies für Anleger ein attraktiver Einstiegszeitpunkt sein.

In diesem Zusammenhang hat unser Aktienstratege Andy Heiskell darauf hingewiesen, dass die zunehmende Konzentration an den Aktienmärkten dazu geführt hat, dass Anleger, die in einen nominell „breiten“ Aktienindexfonds investieren – der beispielsweise an den MSCI All Country World Index gekoppelt ist –, tatsächlich ein erhebliches Engagement in US-Aktien und den Mega-Cap-Technologieunternehmen halten, die den Markt angeführt haben. Vor diesem Hintergrund könnte eine weitere Möglichkeit zur Diversifizierung darin bestehen, den Anteil an Aktien aus Ländern außerhalb der USA, einschließlich der Emerging Markets (Schwellenländer), zu erhöhen. (Wie ich jedoch bereits an anderer Stelle geschrieben habe, sollten Anleger den Umfang ihres Engagements in diesem Bereich sorgfältig abwägen, falls der aktuelle Technologiezyklus anhält.)

4. Dynamische Rentenanlagen
Auch wenn Rentenwerte in bestimmten Phasen vielleicht kein wirksames Gegengewicht zum Aktienrisiko darstellen, wird diese Anlageklasse in den Portfolios weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Angesichts des aktuellen Umfelds mit relativ engen Spreads und niedrigen Zinsen würde ich Anlegern empfehlen, sich nach Möglichkeiten zur Steigerung der Dynamik ihres Anleihenportfolios umzusehen. Dazu können Total-Return-Strategien sowie sektorübergreifende Strategien gehören, die darauf abzielen, durch Sektorauswahl bzw. -rotation Zusatzerträge zu erzielen. Weitere Möglichkeiten sind opportunistische Strategien, die sich auf aktuell unbeliebte Sektoren konzentrieren, denen eine Erholung bevorsteht, sowie am Anleihenmarkt aktive Hedgefonds.

Die zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind diejenigen der Autoren zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Dokuments. Andere Teams können andere Ansichten vertreten und andere Anlageentscheidungen treffen. Der Wert einer Anlage kann gegenüber dem Zeitpunkt der ursprünglichen Investition steigen oder sinken. Von externen Anbietern stammende Daten werden zwar als verlässlich erachtet, doch gibt es keine Garantie für ihre Richtigkeit. Nur für professionelle, institutionelle oder zugelassene Anleger.

Experten

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Adam Berger

, CFA

Multi-Asset Strategist

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