Die Ankündigung eines zweiwöchigen Waffenstillstands zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran hat den Konflikt zwar entschärft, sollte aber nicht mit einer Lösung verwechselt werden. Ich betrachte diese jüngste Entwicklung als eine Pause, die dazu dient, Zeit zu gewinnen – für Diplomatie, für die Märkte und für die politischen Entscheidungsträger – und nicht als Lösung der geopolitischen Kernfragen, die zur Eskalation im Iran und in der gesamten Region geführt haben. Der vorübergehende Waffenstillstand verringert zwar das unmittelbare Extremrisiko. Die strukturellen Ursachen der Instabilität, die diesen Konflikt weiterhin dominieren, werden dadurch jedoch nicht beseitigt.
Oberflächlich betrachtet, ist die Vereinbarung nicht kompliziert: eine vorübergehende Einstellung der direkten Angriffe im Gegenzug für eine Wiederöffnung der Straße von Hormuz. Die Märkte reagierten entsprechend, indem sie die akuten kriegsbedingten Risikoaufschläge für Öl und Risikoanlagen wieder abzogen. Diese Reaktion ergibt Sinn, birgt aber auch die Gefahr, dass sie der tatsächlichen Realität vorauseilt. Waffenstillstände sind politische Erklärungen; die Normalisierung hängt von der Durchsetzung, den Anreizen und dem Vertrauen ab. Im Hinblick auf diese Merkmale bleibt die Lage prekär.
Aus militärischer Sicht findet sich hinter diesem Waffenstillstand ein aktives und zersplittertes Schlachtfeld. Der Konflikt wurde nicht einheitlich beendet, und wichtige Schauplätze – insbesondere der Libanon – sind ausdrücklich ausgenommen. Stellvertretermilizen sind nach wie vor im Spiel, die Eskalationskontrolle ist bisher uneinheitlich, und das Risiko einer Fehlkalkulation ist nach wie vor hoch.
Die zentrale Bedeutung der Meerenge
Die Straße von Hormuz wird der zentrale Test sein. Die iranische Formulierung „sichere Durchfahrt“ wahrt die Koordinationsfäigkeit und den Ermessensspielraum des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) und unterstreicht meine Aussage, dass die Kontrolle über die Wasserstraße – und nicht die Verweigerung des Zugangs – Teherans bevorzugtes Druckmittel ist.
In der Handelsschifffahrt ist diese Unterscheidung von Bedeutung. Der physische Zugang kann wieder geöffnet werden, lange bevor Versicherer und Reeder erneut Vertrauen fassen. Solange die Kriegsrisikoaufschläge nicht dauerhaft sinken und die Vorgaben der Waffenruhe nicht glaubwürdig durchgesetzt werden, wird sich der Schiffsverkehr wahrscheinlich nur langsam und ungleichmäßig normalisieren. Mit anderen Worten: Eine Wiedereröffnung ist keine Normalisierung, und die Märkte neigen dazu, diesen Unterschied zu unterschätzen.
Auf diplomatischer Ebene schafft der Waffenstillstand Spielraum – aber das allein garantiert keinen Fortschritt. Damit sich diese zweiwöchige Pause zu etwas Dauerhaftem verfestigt, müssen die Verhandlungen zwei Kernfragen direkt angehen. Erstens, der Status der Kontrolle des IRGC über die Straße von Hormuz: ob der Iran de facto die Gatekeeping-Autorität behält oder eine neutralere Navigationsregelung mit glaubwürdigen Garantien akzeptiert. Zweitens, der Status des iranischen Atomprogramms: Inspektionen, Anreicherungsgrenzen und Überprüfung. Wenn sich an diesen Fronten nichts bewegt, besteht die Gefahr, dass der Waffenstillstand immer wieder verlängert wird – oder unter erneutem Druck bricht.
Was nun beobachtet werden sollte
In den nächsten zwei Wochen werden die Märkte wahrscheinlich weiterhin stark von Ereignissen bestimmt sein und auf Schlagzeilen über Zwischenfälle auf See, Raketenabschüsse, Stellvertreteraktivitäten, Einschätzungen von Versicherungen und diplomatische Signale reagieren. Die Streuung zwischen Vermögenswerten – und innerhalb von Sektoren – dürfte hoch bleiben.
Die wichtigsten Wegweiser sind klar. Achten Sie auf eine dauerhafte Einhaltung der Vereinbarung auf militärischer Seite, insbesondere in der und um die Straße von Hormuz. Achten Sie mehr auf Versicherungs- und Schifffahrtsleitlinien als auf politische Erklärungen. Beobachten Sie, ob sich die Verhandlungen zu der Kontrolle der Meerenge und dem Atomprogramm über Prozessfragen hinaus auch inhaltlich weiterentwickeln. Und achten Sie darauf, ob sich die von der Waffenruhe ausgeschlossenen Schauplätze, insbesondere der Libanon, wieder auf den breiteren Konflikt auszuwirken beginnen.
Dieser Waffenstillstand ist wichtig. Er verändert die kurzfristige Wahrscheinlichkeitsverteilung. Solange aber die Kernfragen nicht angegangen werden, ist es meiner Meinung nach am besten, dies als eine fragile Warteschleife zu verstehen – die das unmittelbare Risiko reduziert, während sich an der möglichen Dauer des Konflikts, der Volatilität und der strategischen Ungewissheit wenig ändert.