Dieser Artikel wurde ursprünglich in Barron’s am 23. Januar 2026 veröffentlicht.
Bei ihrer Dezember-Sitzung traf die US-Notenbank Fed zwei wichtige Entscheidungen. Zum einen wurden Zinssenkungen beschlossen. Zum anderen – was weniger Aufmerksamkeit erregte – wurde bekannt gegeben, dass sie wieder ihre Bilanzsumme ausweiten und die Geldschöpfung ankurbeln würde, um Banken zu unterstützen, deren Reserven nicht mehr so hoch seien.
Die Fed-Vertreter betonten dabei, dass diese keine Rückkehr zu einer quantitativen Lockerung (QE) bedeuten würde. Bei QE handelt es sich um ein Stimulierungsprogramm, das mit dem billionenschweren Kauf von US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit nach der globalen Finanzkrise 2008-2009 begann und nach der COVID-Pandemie fortgesetzt wurde.
Dieses Mal kauft die Fed nur Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit. Für den Markt bedeutet aber jede Ausweitung der Fed-Bilanzsumme mehr Geld im System, was die Kurse für Aktien und andere reflationäre Anlagen in die Höhe treiben kann. Die Aktien-Rally im Dezember lässt darauf schließen, dass sich der jüngste Versuch der Fed, die Bilanzsumme auszuweiten, bereits auf die Vermögenspreise auswirkt.
Warum ist das ein Problem? Die US-Wirtschaft ist zunehmend „K-förmig“, wobei ein kleines Segment wohlhabenderer Haushalte einen überproportional großen Anteil an den Ausgaben hat. Eine Ausweitung der Bilanzsumme könnte die Vermögenspreise weiter in die Höhe treiben und Ausgaben durch wohlhabende Verbraucher ermutigen, die Inflation aber für alle ankurbeln.
Vor 2008 war die Größe der Fed-Bilanzsumme nicht relevant für die Geldpolitik. Die Fed kontrollierte die Zinssätze durch eine Anpassung der Federal Funds Rate, zu der sich Banken gegenseitig über Nacht auf unbesicherter Basis Geld leihen. Aufgrund knapper Reserven konnte die Notenbank die Federal Funds Rate einfach durch eine Erhöhung oder Reduzierung von Reserven beeinflussen. Nach 2008 initiierte die Fed umfangreiche quantitative Lockerungsmaßnahmen und sorgte durch den Kauf von Staatsanleihen für Überschussreserven bei den Banken. Die hohen Reserven und die große Bilanzsumme der Fed machten es schwierig, die Federal Funds Rate anzuheben, wenn die Zentralbank die Geldpolitik straffen wollte.
Um dieses Problem zu lösen, implementierte die Fed ein „Korridorsystem“ mit zwei Zinsniveaus. Die „Untergrenze“ in diesem System ist der Zinssatz, den die Fed Geldmarktfonds für besicherte Übernachtkredite bezahlt. Die „Obergrenze“ ist der Zinssatz, den sie Banken für ihre Reserven bezahlt. Die Effective Federal Funds Rate (EFFR) – der normalerweise von der Öffentlichkeit beobachtete Satz – liegt dazwischen. Ein weiterer wichtiger Zinssatz ist die Secured Overnight Financing Rate, die Finanzinstitute für Handelsgeschäfte und Hedgefonds für fremdfinanzierte Investitionen nutzen.
Dieses System hat gut funktioniert bis zum Jahr 2019, als Körperschaftsteuerzahlungen mit Abwicklungszahlungen für Staatsanleihen zusammenfielen, was einen plötzlichen hohen Liquiditätsbedarf auslöste. Den Banken fehlten die nötigen Reserven, und die Übernacht-Reposätze stiegen kurzzeitig auf fast 10%. Die Fed reagierte, indem sie die Bilanzsumme ausweitete und die Standing Repo Facility (SRF) einführte, durch die großen Banken ermöglicht wurde, über Nacht gegen hochwertige Sicherheiten Liquidität von der Fed aufzunehmen.
Heute ist die Bilanzsumme der Fed in Relation zu Bankdarlehen und dem Bruttoinlandsprodukt deutlich größer als im Jahr 2019, und die SRF verhindert die Art von Finanzierungsengpässen, die zuvor Interventionen der Fed erzwangen. Die Banken mögen zwar davor zurückschrecken, die SRF zu nutzen, um nicht den Eindruck eines allzu dringenden Liquiditätsbedarfs zu wecken. Die Fed könnte aber die Teilnahme ermutigen, indem sie den Zinssatz senkt, die Liste der teilnahmeberechtigten Banken erweitert oder die größten Banken zur Nutzung zwingt. Die Fed könnte auch vorübergehend die Reserven aufstocken, um ein Polster für das Quartalsende und Steuerzahlungstermine zu schaffen, anstatt sich auf das relativ stumpfe Instrument einer Ausweitung der Bilanzsumme zu verlassen.
Vor diesem Hintergrund und angesichts kürzlicher regulatorischer Änderungen, durch die sich die Leverage-Anforderungen für Banken verringert haben, wirkt das Argument, die Zentralbank müsse zum Schutz der Banken die Geldpresse anwerfen, nicht wirklich überzeugend.
Eine weitere große Veränderung seit 2019 ist die Schuldenlast der Regierung, die um USD 14 Bio. gewachsen ist. Laut Fed unterstützt die Ausweitung ihrer Bilanzsumme die Liquidität des Staatsanleihemarktes, was die Kreditkosten der Regierung senkt. Ein besonderer Profiteur der großen Fed-Bilanzsumme sind jedoch Hedgefonds, die geliehenes Geld nutzen, um von kleinen Preisunterschieden bei Staatsanleihen und Derivaten auf Staatsanleihen zu profitieren. Diese Transaktionen erfordern ein erhebliches Maß an Fremdkapital und sind von ausreichend Repo-Finanzierungsmöglichkeiten abhängig. Durch gehebelte Handelsstrategien von Hedgefonds entstehen Systemrisiken, die die Fed nicht indirekt unterstützen sollte.
Die Kosten für eine Ausweitung der Fed-Bilanzsumme verdienen mehr Aufmerksamkeit. Nach Ansicht der Fed ist ihre aktuelle Bilanzausweitung kein vollumfängliches QE-Programm, da sie lediglich „geldnahe“ Vermögenswerte (kurzfristige Staatsanleihen) durch Geld (Bankreserven) ersetzt. Die Märkte interpretieren eine große Fed-Bilanzsumme aber als inflationäres Risiko. Die Anleger neigen dazu, für reflationäre Vermögenswerte wie Aktien, Immobilien und Gold mehr zu bezahlen, um sich gegen eine Monetarisierung von Schulden und Entwertung der Währung abzusichern.
Dies führt mich wieder zurück zur K-förmigen Wirtschaft. Weil einkommensstärkere Haushalte einen überproportional großen Anteil dieser Vermögenswerte halten, können die Vermögenseffekte der Bilanzausweitung weiter zu einem erhöhten Konsum und einer hartnäckigen Inflation beitragen. Dies ist schlecht für einkommensschwächere Haushalte.
Eine Monetarisierung von Staatsschulden ist ebenfalls wahrscheinlicher. In Reaktion auf die erhöhte Nachfrage der Fed nach kurzfristigen Treasury Notes könnte das US-Finanzministerium mehr Wertpapiere mit niedrigeren Renditen und kurzen Laufzeiten und weniger Anleihen mit höheren Renditen und langer Laufzeit begeben. Eine große Bilanzsumme der Fed spricht für die „Free Lunch“-Idee in Bezug auf Staatsausgaben. Ein wachsendes Defizit in Kombination mit einer höheren Inflation würde aber die Erschwinglichkeitskrise verschärfen.
Anstatt die Bilanzsumme auf breiter Front auszuweiten, würde ich es bevorzugen, wenn die Fed schrittweise Maßnahmen ergreifen würde, indem sie regelmäßig die Reserven aufstockt, um akute Liquiditätsprobleme zu bewältigen, und gleichzeitig ihre Bilanzsumme insgesamt reduziert. Dies sollte dabei helfen, die Inflation und Vermögenspreise unter Kontrolle zu halten.