Auch die Geldpolitik scheint sich in einer Weise zu verändern, die sich negativ auf Aktien auswirken könnte. In seiner ersten Pressekonferenz im Juni betonte der neue Vorsitzende der US-Notenbank Kevin Warsh sein Bekenntnis zur Preisstabilität und argumentierte, dass die aktuellen Zinssätze keine restriktive Wirkung auf die Finanzmärkte hätten. Hinzu kommt, dass Warsh die hohe Bilanzsumme der Fed bereits seit Langem kritisiert und weniger bereit ist, sie zur Stützung der Märkte einzusetzen. Eine weniger interventionistische Notenbank würde die Erwartung geldpolitischer Unterstützung durch die Fed reduzieren und somit eine der wichtigsten Stützen für die hohen Aktienbewertungen schwächen.
Der Ausblick für Anleihen dürfte dagegen positiver ausfallen. Die Konflikte im Iran und in der Ukraine haben gezeigt, wie effektiv Drohnen inzwischen sind und wo die Grenzen konventioneller Militärmacht liegen. Dies verringert möglicherweise die Wahrscheinlichkeit eines Konflikts zwischen China und Taiwan in naher Zukunft. Anleihen schneiden in Kriegszeiten schwächer ab, da sie tendenziell inflationär wirken. Ein Rückgang des geopolitischen Risikos gegenüber dem derzeit erhöhten Niveau würde die Aussichten für festverzinsliche Wertpapiere daher verbessern.
Sollten die Sorgen der Anleger hinsichtlich einer Geldentwertung zurückgehen, könnte sich der Trend bei der Marktführerschaft, der seit 2020 zu beobachten war, allmählich umkehren. In diesem Umfeld könnten Anleihen wieder eine wichtige Rolle in Portfolios spielen.