Diese starke Performance hat die Ausgangslage für Anleger verändert, die derzeit eine Allokation in High-Yield-Anleihen in Betracht ziehen: Der Spielraum für eine weitere breit angelegte Spreadeinengung ist geringer, und das Bewertungspolster ist im Fall einer Verschlechterung der Marktbedingungen kleiner.
Sollten Anleger auf eine Ausweitung der Spreads warten?
Zwar haben viele Anleger in der Vergangenheit die Spread-Niveaus als wichtigsten Indikator für den richtigen Einstiegszeitpunkt in High-Yield-Anleihen herangezogen, doch deuten historische Daten darauf hin, dass enge Anfangsspreads nicht zwangsläufig zu schlechten langfristigen Ergebnissen (5 – 10 Jahre oder länger) geführt haben. Dies bedeutet, dass Anleger den Zeithorizont einer Anlage sorgfältiger berücksichtigen müssen.
Weitere Spreads führen in der Regel zu höheren nachfolgenden Zusatzerträgen, insbesondere bei eher taktischen Zeithorizonten (1–3 Jahre). Über längere Zeiträume verliert das Spreadniveau zum Anlagezeitpunkt jedoch tendenziell an Bedeutung, da sich die Zusatzerträge allmählich angleichen.
Zudem bieten weitere Spreads zwar einen attraktiveren Einstiegspunkt für taktisch orientierte Anleger, Marktverwerfungen sind jedoch bekanntermaßen schwer zeitlich einzuschätzen und können sich schnell wieder umkehren. Ein Abwarten ist auch mit Opportunitätskosten verbunden, insbesondere in einem Umfeld, in dem diese Anlageklasse weiterhin von einem stärker als erwarteten nominalen Wachstum gestützt wird. Wer vorerst nicht investiert, verzichtet möglicherweise auf die laufende Rendite der Anlageklasse, während er auf einen günstigeren Einstiegszeitpunkt wartet, der womöglich noch längere Zeit nicht kommt.
Wir sehen zwei wichtige Implikationen:
- Für strategische Anleger ist es unserer Ansicht nach im Allgemeinen sinnvoll, das Engagement aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die notwendige Flexibilität zu bewahren, um das Risiko zu erhöhen, sobald die Bewertungen attraktiver werden. Unseres Erachtens kann es sich außerdem auszahlen, auf einen Fondsmanager zu setzen, der bei seinen Anlageentscheidungen die jeweiligen Spreadniveaus berücksichtigt und so auf kurzfristige Marktentwicklungen reagieren kann.
- Bei taktischen Allokationen kann es sinnvoll sein, auf einen günstigeren Einstiegszeitpunkt zu warten. Da sich dieser jedoch nur schwer bestimmen lässt und das Abwarten mit Opportunitätskosten verbunden ist, kann sich ein schrittweiser Einstieg anbieten, der die Abhängigkeit von einem einzelnen Einstiegszeitpunkt verringert.
Ein letzter, aber entscheidender Punkt ist, dass die Gesamtrendite europäischer High-Yield-Anleihen trotz enger Spreads nach wie vor beachtlich ist. Diese Gesamtrendite bietet einen Puffer gegen eine Ausweitung der Spreads und trägt dazu bei, die Auswirkungen moderater Kursschwankungen abzufedern.